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Tod (Definition)(m)
ZusatzAdj. tot, tödlich
DefinitionDer Tod (griech.: thanatos, lat.: mors) ist mit dem Erlöschen aller Funktionen des Gehirns verbunden, und wird definiert als der im Anschluss an das Sterben auftretende Zustand, in dem die Lebensvorgänge eines biologischen Organismus (Lebewesen) weitgehend (Organe oder einzelne Zellen oder Zellverbände ihre Funktion über Stunden oder sogar Tage aufrechterhalten) oder vollständig erloschen sind.
Details

Tod

 

Definition

Der Tod (griech.: thanatos, lat.: mors) ist eine Urerfahrung der Menschheit, die subjektiv mit dem irreversiblen Verschwinden des Bewusstseins und sämtlicher Empfindungen (innerer Symptome) in dieser Welt verbunden ist. Horaz sagt: Omnis una manet nox (auf alle wartet ein und dieselbe Nacht). Objektiv sind mit dem Tod (biologischer Organismen) ein Erliegen der Lebensfunktionen und das Erlöschen aller Funktionen des Gehirns (insbesondere Mensch) verbunden, wobei die Informationsübertragungen zunächst zwischen Gehirn und dem Herz-Kreislaufsystem gestört oder unterbrochen ist, während einzelne Organe durchaus noch über Stunden ihre Funktion aufrechterhalten können, einzelne Zellen oder Zellverbände sogar über Tage (z. B. Haar- und Nagelwachstum post mortem).

Der Tod tritt entweder sehr schnell und plötzlich ein (sog. Sekundentod), so dass an der Leiche zunächst keine besonderen Veränderungen nachweisbar sind, oder es geht ihm eine unterschiedlich lange Agonie voraus, ein Zustand reduzierten Lebens, der mit immer länger werdenden Phasen der Bewusstlosigkeit in den Individualtod überleitet.

Unter dem Begriff biologischer Tod versteht man den irreversiblen Stillstand von Atmung und Kreislauf, verbunden mit dem Erlöschen der Funktionen des Zentralen Nervensystems. Mit dem Ausdruck Sterben bezeichnet man alle Vorgänge, die zum Tod führen.

 

Einteilung nach Art des Todes

Der klinische Tod (Stillstand von Atmung und Kreislauf) kann durch Reanimation (Wiederbelebung) rückgängig gemacht werden, indem die Atmungs- und Kreislauffunktion künstlich wieder in Gang gesetzt und aufrechterhalten werden. Wenn diese Reanimation erst nach der bei einer normalen Raumtemperatur relativ kurzen Zeitspanne von 8—10 min erfolgreich ist, muss mit irreversiblen Ausfallerscheinungen im Zentralen Nervensystem gerechnet werden, die umso schwerer sind, je mehr Zeit seit dem Eintritt des klinischen Todes verstrichen war. Die Reanimation von Kindern und Jugendlichen ist im Allgemeinen mit geringeren Ausfallerscheinungen verbunden als die von älteren Personen.

Der Hirntod ist der irreversible Verlust der Großhirn- und der Hirnstammfunktion. Einem endgültigen Versagen der Kreislauf- und Atmungsfunktion folgt zwangsweise der Hirntod (totaler Hirninfarkt). Die moderne Intensivtherapie, besonders aber die Möglichkeit der künstlichen Beatmung, hat dazu geführt, dass die vitalen Funktionen der inneren Organe auch nach dem Hirntod aufrechterhalten werden können, was in der Humanmedizin zu ethischen Problematiken führt („Die künstliche Beatmung sollte ausschließlich in geeigneten Fällen für eine Organexplantation vorgenommen werden” (W. PIA)).
Das Erlöschen der elektromagnetischen Hirnfunktionen kann durch ein so genanntes Nulllinien-EEG (Elektroenzephalogramm) festgestellt werden.

Vom allgemeinen Tod des Gesamtorganismus ist begrifflich der Tod einzelner Zellen, Gewebe oder Organteile zu trennen. Einzelne Gewebe und Organe behalten aber darüber hinaus für unterschiedlich lange Zeiten ihre Funktionsfähigkeit bei. Während der Supravitalzeit (intermediäres Leben), die sich dem Individualtod anschließt, ist somit die Entnahme von Geweben für Transplantationszwecke möglich.

Beim sog. reversiblen Scheintod erzeugen bestimmte Zustände (Unterkühlung, O2-Mangel, Vergiftungen) eine vita minima, bei der Atem- und Kreislauffunktion mit einfachen Mitteln kaum oder nicht mehr nachweisbar sind.

Todesursachen

Die unmittelbare Todesursache ist stets das Versagen der zentralen Regulationseinrichtungen des Gehirns, vor allem des Hirnstammes in Bezug auf das Herz-Kreislaufsystem. Viele Mechanismen (z. B. Hirninfarkt, Herzinfarkt, Pneumonie, hypovolämischer Schock) können dazu führen, letztlich ist es aber immer Sauerstoffmangel, der diese Zentren irreversibel schädigt.

Hinter dieser unmittelbaren Todesursache stehen die verschiedensten Krankheiten welche als mittelbare Todesursachen bezeichnet werden (z. B. Herzinfarkt, Lungenembolie). Grunderkrankungen sind (zumeist chronische) Krankheiten, die das Entstehen der mittelbaren Todesursachen begünstigen oder verursachen (z. B. solider Krebs, Schwächung des Immunsystems und nachfolgende Pneumonie, oder allgemeine Arteriosklerose und nachfolgender Myokardinfarkt).

Feststellung des Todes

In der Praxis stellt man beim klinischen Tod fest:

  • keine Arterienpulse
  • keine Herztöne
  • keine wahrnehmbaren Atemexkursionen.

Besonderheiten der Feststellung des Todes in der Humanmedizin

Die Feststellung des Hirntodes (Mensch) beruht nach den Richtlinien der Bundesärztekammer auf nachstehenden Voraussetzungen:

  • Vorliegen einer akuten schweren primären oder sekundären Hirnschädigung
  • Ausschluss von Intoxikation, neuromuskulärer Blockade, primärer Unterkühlung, Kreislaufschock, endokrinem oder metabolischem Koma als mögliche Ursache oder wesentliche Mitursache des Ausfalls der Hirnfunktion im Untersuchungszeitraum.

Der Hirntod ist der vollständige und irreversible Zusammenbruch der Gesamtfunktion des Gehirns bei noch aufrechterhaltener Kreislauffunktion im übrigen Körper. Dabei handelt es sich ausnahmslos um Patienten, die wegen Fehlens der Spontanatmung kontrolliert beatmet werden müssen.

Die maßgeblichen Symptome sind:

  • Bewusstlosigkeit (Koma)
  • Ausfall der Spontanatmung
  • Lichtstarre beider wenigstens mittel-, meistens maximal weiten Pupillen, wobei keine Wirkung eines Mydriatikums vorliegen darf
  • Fehlen des okulozephalen Reflexes Fehlen des Kornealreflexes
  • Fehlen von Reaktionen auf Schmerzreize im Trigeminusbereich
  • Fehlen des Pharyngeal-/Trachealreflexes.

Das Vorliegen aller dieser Befunde muss übereinstimmend von zwei Untersuchern festgestellt werden.

Wird eine zusätzliche EEG-Untersuchung durchgeführt und ergibt sich während einer kontinuierlichen Registrierung über mindestens 30 Minuten eine hirnelektrische Stille (Null-Linien-EEG), so kann – außer bei Säuglingen und Kleinkindern – der Hirntod ohne weitere Beobachtungszeit festgestellt werden.

Bei Säuglingen und Kleinkindern bis zum zweiten Lebensjahr muss wegen der physiologischen Unreife des Gehirns die EEG-Registrierung nach 24 Stunden wiederholt werden, bevor der Hirntod festgestellt werden kann.

Wurde bei einer zur Klärung der Art der Hirnschädigung durchgeführten beidseitigen Angiographie bei einem ausreichenden Systemblutdruck ein zerebraler Zirkulationsstillstand nachgewiesen, so kann bei Vorliegen der oben genannten maßgeblichen Symptome ebenfalls der Hirntod ohne weitere Beobachtungszeit festgestellt werden.

Dauer der Beobachtung. Wenn auf das EEG verzichtet werden muss und wenn auch kein angiographischer Befund vorliegt, müssen die maßgeblichen Ausfallsymptome

  1. a) bei Erwachsenen und bei älteren Kindern
  • nach primärer Hirnschädigung während mindestens 12 Stunden
  • nach sekundärer Hirnschädigung während 3 Tagen

mehrmals übereinstimmend nachgewiesen werden, bis der Hirntod festgestellt werden kann.

  1. Bei Säuglingen und Kindern bis zum zweiten Lebensjahr soll in allen Fällen mit primärer Hirnschädigung die Beobachtungszeit 24 Stunden betragen.

Nachdem die Kriterien des Hirntodes von zwei Untersuchern vollständig dokumentiert sind, ist damit der Tod festgestellt.

Weil verschiedene Teilfunktionen der Gewebe auch noch eine gewisse Zeit nach Eintritt des Todes erhalten bleiben können, kommt es zu sog. supravitalen Reaktionen:

  • idiomuskulärer Wulst: Bis zu 2 Stunden nach dem Tod kann sich die Skelettmuskulatur durch mechanische Reizung noch kontrahieren
  • Pupillenreaktion: Bis ca. 20 Stunden nach dem Tod ist manchmal noch durch Medikamente eine Pupillenerweiterung auslösbar
  • elektrische Reizung der Skelettmuskulatur bewirkt etwa 1–2 Stunden postmortal eine Muskelkontraktion.

Diese supravitalen Reaktionen haben neben den sicheren Todeszeichen eine Bedeutung bei der Bestimmung des Todeszeitpunktes.

Todeszeichen

Nach Eintritt des Todes zeigen sich an der Leiche die sog. sicheren Todeszeichen: Totenflecke, Totenstarre, Autolyse und Fäulnis.

Literatur

Aus: Sinowatz F, Kayser K, Donath K, Hees H. Allgemeine und Spezielle Pathologie 4th edition. Berlin: schaefermueller publishing; 2009

Kategorie⇨ Basiswissen
Hauptautor(en)Redaktion schaefermueller publ.
Redaktionelle BearbeitungRedaktion schaefermueller publ.
Zuletzt bearbeitet2019-09-12 17:02:58 von Redaktion schaefermueller publ.
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