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Hyperthermie(f)
DefinitionUnter Hyperthermie versteht man erhöhte Temperatur; sie ist nicht identisch mit Fieber.
Details

Hyperthermie

Körperthemperatur allgemein

Die Aufrechterhaltung einer „normalen“ Körpertemperatur (Isothermie) ist erforderlich, um die biologischen, insbesondere enzymgesteuerten Lebensfunktionen aufrechtzuerhalten. Sie ist das Ergebnis aus Wärmeproduktion und Wärmeabgabe und wird gesteuert durch das Temperatur(regulations)zentrum. Die Wärmeproduktion erfolgt chemisch, die Abgabe physikalisch. Wenn eine der Steuerungsmechanismen versagt, kommt es zu Abweichungen der Körpertemperatur, die in sehr engen Grenzen ihr speziesspezifisches Optimum besitzt. 

Wärmeregulation

Gesteuert wird die Wärmeregulation über das Temperaturzentrum im vorderen Hypothalamusbereich, das die Wärmebildung und -abgabe steuert und außerdem Verhaltensweisen beeinflußt, die zur Wärmeproduktion führen. Es ist über den Tractus spinothalamicus mit den Wärmerezeptoren in der Haut und den Schleimhäuten verbunden. 

 Ursachen für erhöhte Körpertemperatur

Unter Hyperthermie versteht man erhöhte Temperatur; sie ist nicht identisch mit Fieber, bei dem Hyperthermie eines von mehreren Symptomen ist. Ausgelöst wird Hyperthermie durch verminderte Wärmeabgabe, durch vermehrte chemische Wärmebildung oder erhöhte physikalische Wärmebildung oder -zufuhr (Hitzschlag).

Ursachen können sein:
-    erhöhte Außentemperatur (geschlossenes Auto im Sonnensein), oft mit hoher Luftfeuchte
-    starke körperliche Aktivität
-     Krampfzustände jeder Art (epileptischer Anfall, besonders Status epilepticus, Tetanus)
-     fiebrige Krankheiten
-     Dehydratation
-     Adipositas (häufig Ursache bei älteren Tieren)
-     altersbedingte verminderte Wärmeabgabe
-     maligne Hyperthermie (Riesenrassen besonders bei Inhalationsnarkosen)
-     Angstzustände (Hyperthermie: z. b.  Wartezimmer-Fieber)
-     Krankheiten im Hypothalamusbereich (Wärmezentrum)

Therapeutische Maßnahmen

-     Infusion kühler (ca. 18–20 °C) salinischer Infusionslösung
-     Klysma mit kalter salinischer Lösung
-     kühle (20 °C), nicht kalte Dusche
-     in schweren Fällen maligner Hyperthermie: kühle Peritonealdialyse
-     Inhalation von Sauerstoff-Luft-Gemisch
-     Metamizol 20–50 mg/kg KM, i. v.

Fieber

Unter Fieber versteht man die Hyperthermie, die auf eine gestörte hypothalamische Wärmeregulation zurückzuführen ist. Beim Fieber ist also das Regulierungsniveau im Temperaturzentrum auf eine höhere Stufe verschoben. 

Ursachen sind in der Hauptsache Infektionen und Infektionskrankheiten jeglicher Art, ferner Gewebszerfälle, Tumorosen. Die Therapie ist nach der Ursache zu wählen. Es ist zu berücksichtigen, daß geringere bis mäßige Fiebergrade durchaus erwünscht sein können. Sehr hohe Fiebergrade (über 40 °C)  müssen jedoch behandelt werden, wobei Prostaglandinblocker (Acetylsalicylsäure, Metamizol) erfolgreich angewandt werden.

Besonderheiten

Temperatureinflüsse oberhalb der physiologischen Toleranzgrenze sind bei Reptilien artspezifisch. Bereits kurzzeitige Überhitzungen können zu dramatischen und irreversiblen Schäden führen. 

Literatur

Kraft W.  Geriatrie von Hund und Katze. 2nd ed. Stuttgart: Enke, 2003.

 

 

Kategorie⇨ Innere Medizin
Hauptautor(en)Redaktion schaefermueller publ.
Redaktionelle BearbeitungRedaktion schaefermueller publ.
Zuletzt bearbeitet2019-09-01 16:16:12 von Redaktion schaefermueller publ.
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