Wissen gestalten – Ihr Wörterbuch, Nachschlagewerk und Wiki für Tiergesundheit

DE
EN
FR
ES
 
Osteochondritis, dissektierende(f)
DefinitionBei der Osteochondrosis dissecans handelt es sich um eine aseptische Knochennekrose aufgrund mangelhafter Durchblutung eines knorpelüberzogenen Knochenanteils in einem Gelenk. Betroffene Knorpel-oder Knochenanteile können sich im fortschreitenden Krankheitsverlauf aus dem Verbund lösen und im Gelenkspalt eine freien Gelenkkörper, eine sogenannte Gelenkmaus (Dissekat) bilden.
Details

Osteochondrosis dissecans

Pathogenese

Die Ursache ist derzeit noch nicht sicher geklärt, jedoch gibt es deutliche Hinweise, dass für die Auslösung biomechanische Ursachen verantwortlich sind (vorangegangene Distorsionstraumen). Des Weiteren werden vaskuläre, endogene, genetische und mikrobiologische Faktoren als Ursache diskutiert. 

Klinische Symptomatik

Bewegungseinschränkung/Lahmheit durch auch belastungsabhängige Gelenkschmerzen. Bei fortgeschrittenem Krankheitsverlauf und großflächigeren Gelenkschäden kommt es zu Ergussbildung. Durch die Bildung von Gelenkmäusen kann es zu Bewegungseinschränkungen und zur Gelenkblockierung kommen. 

Diagnostik

Zunächst werden Röntgenbilder des betroffenen Gelenks in zwei Ebenen durchgeführt. Durch die Kernspintomographie lassen sich auch frühe Stadien der Osteochondrosis dissecans darstellen. Weiterhin kann hiermit eine Aussage über die Lokalisation und die Knorpelverhältnisse getroffen werden. Durch die Arthroskopie kann eine direkte Beurteilung der Knorpeloberfläche mit Beurteilung der mechanischen Stabilität des Dissekats erfolgen.

Differenzialdiagnose

Freie Gelenkkörper traumatischer Genese, Fremdkörper (z. B. Projektile), primäre und sekundäre Chondromatosen oder intraartikuläre Tumoren.

Therapie

Die Behandlung der Osteochondrosis dissecans erfolgt in Abhängigkeit des Erkrankungsstadiums (Tabelle 1).


Tabelle 1    Stadieneinteilung der Osteochondrosis dissecans nach Bruns (1996).

Grad

Röntgen

MRT

Arthroskopie

I

normal

beginnende Osteolyse, Marködem

Knorpel intakt, mechanisch normale Funktion

II

Sklerosesaum subchondral

Sklerose und Osteolyse/Osteonekrose

Knorpel intakt, leicht eindrückbar, zirkuläre Demarkierung

III

Dissekat in situ, eventuell Dislokation erkennbar, Sklerose

Dissekat in situ, eventuell Flüssigkeitssaum, Unterbrechung des Knorpels

Dissekat in situ kann mit Tasthaken unterfahren werden, teilweise fixiert

IV

leeres Dissekatbett, disloziertes Dissekat

leeres Dissekatbett, disloziertes Dissekat, Erguss

leeres Dissekatbett, disloziertes Dissekat

 

Konservative Therapie

Bei noch erhaltener Knorpeloberfläche kann zunächst eine konservative Therapie erfolgen. Diese beinhaltet Schonung durch reduzierte Bewegung bis hin zur vollständigen Entlastung. Gelenkphysiologisch ist eine längere Immobilisation nicht ratsam (verminderte Druchblutung und Knorpelversorgung).

Chirurgische Therapie

Eine operative Therapie ist nach erfolgloser konservativer Behandlung oder bei bereits erfolgter Schädigung des Knorpels oder vorliegen einer Gelenkmaus indiziert.

Stadium II: Der arthroskopisch oder offen chirurgische Eingriff dient der Förderung der Reintegration des subchondralen Knochens. Ziel ist die Durchbrechung des sklerotischen Prozesses. Bei noch intaktem Knorpel empfiehlt sich nach Möglichkeit ein retrogrades Vorgehen mit Anbohrung des Herds. 

Stadium III:  Ziel des Eingriffs ist die Vermeidung der vollständigen Dissekatlösung. Es erfolgt eine anterograde Anfrischung und Anbohrung und gegebenenfalls eine Refixation des Dissekats mit Schrauben.

Stadium IV: Zunächst erfolgt die Behandlung der Sklerose. Anschließend sollte Dissekat refixiert werden. Ist eine Refixation nicht mehr möglich, kann eine Defektbehandlung in Form einer autologen Chondrozytentransplantation oder osteochondralen Transplantation erfolgen. Des Weiteren können alternativ markraumeröffnende Techniken wie Mikrofrakurierung oder Pridie-Bohrung durchgeführt werden.

Kategorie⇨ Chirurgie
Hauptautor(en)Redaktion schaefermueller publ.
Redaktionelle BearbeitungRedaktion schaefermueller publ.
Zuletzt bearbeitet2019-09-24 11:45:58 von Redaktion schaefermueller publ.
Artikel bearbeiten