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Adipositas(f)
DefinitionAdipositas bezeichnet eine kritisch über das Normalmaß hinausgehende Erhöhung des Körpergewichts. Übergewicht entsteht , wenn die tägliche Kalorienaufnahme langfristig den Energieverbrauch des Körpers übersteigt. Diesen Zustand bezeichnet man als eine positive Energiebilanz. Bei der Entstehung von Übergewicht spielen verschiedene Faktoren eine Rolle. Neben einer erhöhten Gesamtbelastung des Organismus, werden langfristig nahezu alle Organsysteme von den Folgen der Adipositas betroffen. Bewegungsapparat - insbesondere Gelenke und Wirbelsäule, Herz-Kreislaufsystem, Lunge, Stoffwechselstörungen wie Diabetes mellitus, Gicht, Gallensteine, Leberverfettung etc.
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Adipositas (bei Hund und Katze)

Adipositas (= Fettsucht):  Siehe auch Body-Mass-Index 
Adam-Stokes Anfall: Kurzzeitiger Bewusstseinsverlust als Folge einer starken Pulsverlangsamung, die die Pumpkraft des Herzens einschränkt und eine Minderdurchblutung des Gehirns bewirkt. 

Risikofaktor Übergewicht

Rund 40 % aller als Haustiere gehaltenen Hunde und Katzen sind übergewichtig. Übergewicht stellt ein erst zu nehmendes Gesundheitsrisiko für Haustiere dar. Man unterscheidet zwischen “Übergewicht” und „Adipositas“ (Fettleibigkeit).

Die Adipositas ist eine ernstzunehmende Erkrankung, die

  • die Lebensqualität der Tiere deutlich beeinträchtig,
  • die Gefahr für weitere chronische Erkrankungen drastisch erhöht

und

  • die mit einer deutlich geringeren Lebenserwartung verbunden ist.

Von Fettleibigkeit spricht man, wenn das Idealgewicht um mehr als 15 % überschritten ist.

Wie kommt es zum Übergewicht?

Zu Übergewicht kommt es, wenn das Gleichgewicht zwischen zugeführter Energie und Energieverbrauch gestört ist. Die positive Energiebilanz führt zu einer Gewichtszunahme. Dies ist bei anhaltend geringerer Aktivität des Tiers und gleich bleibender Nahrungszufuhr oder bei vermehrter Nahrungszufuhr bei unveränderter Aktivität der Fall. Die übermäßig aufgenommen Nährstoffe werden in Fett umgebaut und in Leber und Körperfettdepots eingelagert. Auch andere Ursachen können zu einer Gewichtszunahme führen.

Faktoren für Übergewicht:

  • mangelnde Bewegung
  • zu viel und zu energiereiches Futter
  • Hormonstörungen (z. B. Schilddrüsenunterfunktion)
  • Sterilisation (kann zu einer verringerten Aktivität und damit zu geringerem Kalorienbedarf führen)
  • genetische Disposition
  • Medikamente (z. B. Kortison)
  • Alter (geringerer Energiebedarf)
  •  

Gesundheitsrisiken und Sekundärerkrankungen

Übergewicht führt zu weiteren Organ- und Stoffwechsel Problemen:

  • Erhöhter Belastung des Bewegungsapparates mit vorzeitiger Abnutzung der Gelenkknorpel, dadurch folgt ein höheres Arthrose-Risiko.
  • Des Weiteren wird der Zuckerspiegel erhöht und damit entsteht ein höheres, frühzeitiges Diabetes mellitus Typ 2-Risiko mit schweren Folgen wie Erblindung, Nierenerkrankungen und sogar tödlichem Schock.
  • Eine stärkere Gesamtbelastung des Organismus, was zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Bluthochdruck) und Lebererkrankungen führen kann.
  • Verdauungsstörungen, Hauterkrankungen und Fruchtbarkeitsstörungen.
  • Fettstoffwechelströrungen, Gicht und damit verbunden auch Gicht
  • Bei extremer Fettablagerung kann es zur Beeinträchtigung der Atmung kommen. Daneben sind die Tiere hitzeanfälliger.
  • Wie beim Menschen verkürzt Fettleibigkeit auch bei Tieren die Lebenserwartung.

Circulus vitiosus - Teufelskreis

Mit der Gewichtszunahme entwickelt sich schnell ein Teufelskreis, denn ein adipöses Tier wird träge. Durch den eingeschränkten Bewegungsdrang sinkt der Energieumsatz und bei gleich bleibender Nahrungszufuhr wird noch mehr Fett angesetzt.


Sterilisation und Gewichtszunahme

Die Sterilisation kann bei einigen Tieren zu einer Gewichtszunahme führen.

  • Weil sich ein sterilisiertes Tier weniger bewegt und sein Kalorienbedarf sinkt.
  • Die Phasen verringerter Nahrungsaufnahme im Fortpflanzungszyklus entfällt

Wird die Nahrung nicht entsprechend angepasst, kommt es zur Gewichtszunahme. Für den Bedarf von sterilisierten Tieren gibt es exakt abgestimmtes Spezialfutter für jedes Alter und jede Rasse.


Vorbeugung und Behandlung

Vorbeugung

  • Beachten Sie die Empfehlung der täglichen Futtermenge bei Fertigfuttern
  • Stören Sie Ihren Hund nicht beim Fressen
  • Passen Sie die Futtermenge der Aktivität Ihres Hundes an.
  • Berücksichtigen Sie Belohnungs-Leckereien bei der Rationsberechnung
  • Werden Sie dem rassespezifischen und individuellen Bewegungsbedarf Ihres Hundes gerecht
  • Kontrollieren Sie das Gewicht Ihres Hundes regelmäßig
  • Lassen Sie sich, wenn Sie unsicher sind, bei der Rationszusammensetzung von Ihrem Tierarzt beraten

Behandlung

Das Ziel der Therapie ist eine kontrollierte und nachhaltige Gewichtsreduzierung auf das Normalgewicht. Die Behandlung basiert auf drei Elementen:

  1. Einsicht und Bereitschaft des Besitzers und der Familienmitglieder
  2. reduzierte und optimierte Fütterung
  3. ausreichend Bewegung

Inzwischen sind mehrere Medikamente verfügbar, mit denen die Gewichtsreduzierung - zusätzlich zu den o. g. Maßnahmen - unterstützt werden kann. Die Präparate reduzieren die Aufnahme von Fetten aus dem Darm.

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Hauptautor(en)Redaktion schaefermueller publ.
Redaktionelle BearbeitungRedaktion schaefermueller publ.
Zuletzt bearbeitet2019-08-28 23:49:17 von Redaktion schaefermueller publ.
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