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Todeszeichen(n)
DefinitionNach Eintritt des Todes zeigen sich an der Leiche die sog. Todeszeichen: Totenflecke, Totenstarre, Autolyse und Fäulnis.
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Todeszeichen

Nach Eintritt des Todes zeigen sich an der Leiche die sog. sicheren Todeszeichen: Totenflecke, Totenstarre, Autolyse und Fäulnis.

Die nachträgliche Feststellung des Todeszeitpunktes anhand von sicheren Todeszeichen und sonstigen Umständen ist in der Gerichtsmedizin sehr wichtig. Sie hängt im Wesentlichen von der Umgebungstemperatur, dem Ausmaß der inneren Infektion (Pneumonie, Gangrän, etc.), dem mikrobakteriellem und lebendigem Umfeld (Insekten, etc.) der Leiche ab und setzt eine große Erfahrung des Gutachters voraus.

 

Totenflecke (Livores)

Nach dem Tode (postmortal) versackt das Blut in die am tiefsten gelegenen Kapillargebiete. Infolge starker Blutfülle in diesen Gefäßen sind dunkelblaue bis grauviolette Verfärbungen der Haut sichtbar (s. CD). Diese Totenflecke bilden sich vor allem zuerst an den abhängenden (tiefergelegenen) Teilen der Leiche aus, z. B. bei Erhängten an den Beinen. Im Allgemeinen treten einzelne Totenflecke schon 30–60 min. nach dem klinischen Tod auf, nach etwa 120 min. beginnen sie zusammenzufließen. Nach Umlagerung der Leiche ändern sie ihren Ort (vollständig bis zu 5, teilweise bis zu 12 Stunden postmortal). Sie können, wenigstens teilweise etwa 8–12 Stunden nach dem Tod mechanisch weggedrückt werden. Dann kommt es zur Hämolyse, der Blutfarbstoff (Hämoglobin) tritt in das Gewebe über; die Totenflecke sind dann nicht mehr wegdrückbar.

Intensität, Farbe und zeitliches Auftreten der Totenflecke hängen von vielen Faktoren ab, so dass kaum allgemeine detaillierte Regeln genannt werden können.

Totenstarre (Rigor mortis)

Hierunter versteht man eine Kontraktion der gesamten Muskulatur des Körpers, die nach dem Tode eintritt. Es ist nicht nur die Skelettmuskulatur betroffen, sondern auch die Herzmuskulatur und die glatte Muskulatur in den Wänden der Hohlorgane. Wahrscheinlich entsteht die Totenstarre durch postmortale Spaltung des in den Muskelzellen noch vorhandenen ATP (Adenosintriphosphat).

Die Totenstarre beginnt am Kiefergelenk 1–2 Stunden postmortal und ist nach 6–9 Stunden in allen Gelenken vorhanden. Die Reihenfolge des Erstarrens ist etwa: Kiefergelenk, Kopf und Hals, Rumpf, Beine, Arme. Wird sie innerhalb von 7–8 Stunden nach Todeseintritt mechanisch gebrochen, so tritt sie erneut auf. Im Allgemeinen löst sich die Totenstarre spontan 36–48 Stunden postmortal, wobei in den Sprunggelenken eine gewisse Reststarre zurückbleibt. Herzmuskel und Zwerchfell beginnen bereits nach 30 min. zu erstarren.

Die Totenstarre ist umso stärker ausgeprägt, je kräftiger die Muskulatur entwickelt war. Sie überwiegt in der Beugemuskulatur. Bei der sog. Enthirnungstotenstarre (kataleptische Totenstarre) nach Verletzung des Hirnstammes und der Medulla oblongata (z. B. nach Kopfschuss) erstarrt sofort die gesamte Muskulatur.

Autolyse und Fäulnis

Durch diese Vorgänge werden die Zell und Gewebestrukturen nach dem Tode enzymatisch abgebaut und zwar zum Teil autolytisch durch körpereigene Enzyme. Diese Enzyme werden beim Zusammenbruch der Lysosomenmembranen in den Zellen frei und beschleunigen den Abbau zellulärer und extrazellulärer Strukturen. Am ehesten zeigen Magenwand, Pankreas und Nebennieren autolytische Veränderungen.

Zum anderen Teil geschieht der Abbau auch heterolytisch durch Fäulnisprozesse. Die Ursache sind bakterielle Enzyme. Mikroorganismen, die schon intravital auf Haut und Schleimhäuten lebten oder als Krankheitserreger in den Körper eingedrungen waren, breiten sich nach dem Tod ungehindert im gesamten Organismus aus.

Im Fäulnisprozess werden Ammoniak sowie Schwefel- und Kohlenwasserstoffe freigesetzt. Die Haut verfärbt sich grünlich, innere Organe nehmen eine graugrüne oder braunschwarze Farbe an. Ein weiteres Zeichen der Fäulnis ist das „Durchschlagen des Venennetzes”: Die subkutanen Venen, die durch intravasale Gasbildung erweitert sind, werden auf der Haut sichtbar.

Aus Eiweißen und Aminosäuren entstehen biogene Amine, die den Fäulnisgeruch der Leiche verursachen. Sie und andere Zerfallsprodukte (die sog. „Leichengifte”) sind, entgegen einem offenbar unausrottbaren Aberglauben, völlig harmlos. Äußerst gefährlich ist indessen die Ansteckung mit hochvirulenten Keimen von septischen Leichen auch bei nur geringfügigen Verletzungen. Sie war vor der antibiotischen Ära in vielen Fällen tödlich und ist auch heute keineswegs als harmlos anzusehen.

Literatur

Aus: Sinowatz F, Kayser K, Donath K, Hees H. Allgemeine und Spezielle Pathologie 4th edition. Berlin: schaefermueller publishing; 2009

Kategorie⇨ Basiswissen
Hauptautor(en)Redaktion schaefermueller publ.
Redaktionelle BearbeitungRedaktion schaefermueller publ.
Zuletzt bearbeitet2019-09-12 17:59:38 von Redaktion schaefermueller publ.
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