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canine infektiöse Tracheobronchitis(f)
DefinitionBeim infektiösen Tracheobronchitiskomplex handelt es sich um eine saisonal auftretende, ursächlich uneinheitliche Infektion der oberen Atemwege, bei der diverse Virusarten und gelegentlich Bakterien (Bordetellen) eine Rolle spielen.
Details

Canine Infektiöse Tracheobronchitis / Zwingerhusten

Äthiologie und Pathogenese
Klinik
Diagnose
Differentialdiagnose
Therapie
Prognose
Literatur
 

Der Zwingerhusten ist eine ursächlich uneinheitliche Infektion der oberen Atemwege unter Beteiligung unterschiedlicher Viren- und Bakterienarten. Der Krankheitsverlauf kann entsprechend der beteiligten Erreger (Viren) mild oder infolge einer Sekundärbesiedelung der viral vorgeschädigten respiratorischen Epithelien durch pathogene Bakterien komplizierter verlaufen (Pneumonie).

 

Äthiologie und Pathogenese

An der caninen infektiösen Tracheobronchitis, dem "Zwingerhusten", sind viele unterschiedliche Erreger beteiligt.
Viren kommen in der Regel als primäre Erreger vor und treten häufig kombiniert auf. Der jeweilige Anteil der beteiligten einzelnen primären Erreger ist nicht bekannt. Als Sekundärerreger können Bakterien und Mykoplasmen beteiligt sein. Bordetella bronchiseptica kommt als Sekundärerreger eine besondere Rolle zu.

Das canine Staupevirus, das je nach Krankheitsverlauf auch überwiegend respiratorische Symptome verursachen kann, muss bei bei jungen, ungeimpften Hunden als mögliche Ursache des Zwingerhustens mit berücksichtigt werden.

Canines Parainfluenzavirus (CPiV)

Dieses Virus wird als wichtige Ursache des Zwingerhustens in den USA angesehen und kann dort bei Krankheitsausbrüchen in der Regel isoliert werden. Auch in Großbritannien wurde es bei verschiedenen Krankheitsfällen nachgewiesen. Allerdings hat CPIV keine so große Bedeutung wie B. bronchiseptica. CPIV-Infektion treten in der Regel in Kombination mit anderen Viren und/oder Bakterien auf, die dann die typisch Zwingerhusten-Symptome auszulösen.

Die Virusreplikation findet hauptsächlich in den Epithelzellen der Nasenschleimhaut, im Pharynx, in der Trachea, in den großen Bronchien und in den regionalen Lymphknoten statt. Eine Generalisation der Infektion tritt – außer im Falle von immunsuppressiven Tieren - nicht auf.

Bordetella bronchiseptica

Mittlerweile gilt als erwiesen, dass B. bronchiseptica für sich allein keine respiratorische Krankheit verursacht. Das Bakterium, das sich durch eine Tröpfcheninfektion überträgt, heftet sich mit seinen Fimbrien gezielt an die Zilien von Trachea und Bronchien an. Dort produzierte es zahlreiche Toxine. In In-vitro-Studien wurde nachgewiesen, dass eine Schädigung der zilientragenden Zellen und eine Ziliostase auftreten. B. bronchiseptica vermehrt sich sehr schnell und nach wenigen Tagen wird ein Plateau erreicht, mit dem dann auch die klinischen Symptome beginnen.

Nach etwa zwei bis drei Wochen sinkt die Zahl der Erreger und die klinischen Symptome klingen ab. Dennoch persistieren Bordetellen teilweise über mehrere Monate in der Trachea und im Bronchialbaum. Der Patient kann nur langsam eine Immunität entwickeln, die dann über mindestens 6 Monate anhält. Ab 14 Monaten sind die Hunde in der Regel wieder für den Erreger empfänglich.

B. bronchiseptica löst eine akute Entzündungsreaktion mit Bildung eines mukopurulenten Sekrets in der Trachea und im Bronchialbaum aus. In einigen seltenen Fällen kann auch die Lunge betroffen sein.

Canines Adenovirus

Es existieren zwei canine Adenoviren: Das canine Adenovirus Typ 2 (CAV-2), das ausschließlich mit respiratorischen Erkrankungen assoziiert zu sein scheint und das canine Adenovirus Typ 1 (CAV-1), das mit der HCC in Zusammenhang steht. Im Falle des Zwingerhustens können häufig beide Typen isoliert werden.

CAV-Viren rufen ähnliche Läsionen in Form nekrotisierender Bronchitiden und Bronchiolitiden sowie fokaler Nekrosen der Nasenmuschel und des Epithels der Tonsillen im Respirationstrakt hervor.

Obwohl die Läsionen sich auf den Respirationstrakt beschränken, kann das Virus auch aus dem Epithel des Darmtrakts isoliert werden. Die durchschnittliche Ausscheidungszeit für CAV-2 beträgt von acht bis neun Tage nach der Infektion. Das Virus kann in Geweben von genesenen Hunden über mehrere Wochen nach der Infektion persistieren. Zwischen den beiden Erregern besteht eine Kreuzimmunität, sodass eine Impfung gegen CAV-2 auch gegen CAV-1 schützt (auch HCC).

Canines Herpesvirus (CHV)

CHV kann bei neugeborenen Welpen bis zur zweiten Lebenswoche eine schwere Allgemeinkrankheit verursachen. Bei älteren Tieren scheint sich die Infektion auf den Respirationstrakt zu beschränken. 
Im Normalfall sind die nachweisbaren pathologischen Veränderungen nur sehr geringgradig. Selten kann eine fokale Nekrose des Epithels der Nasenschleimhaut und -muschel bis hin zum Epithel der Bronchioli beobachtet werden.
Obgleich CHV bei Hunden mit Zwingerhusten isoliert werden konnten, wird es - im Gegensatz zu CPV und CAV-2 - als ziemlich seltene Ursache des Zwingerhustens betrachtet. Auch scheint sich CHV nicht so leicht unter Hunden auszubreiten wie die anderen Viren. Selbst in einem infizierten Bestand müssen nicht zwingend alle Hunde betroffen sein. Die Infektionen adulter Hunde scheinen überwiegend klinisch inapparent zu verlaufen. Wie bei anderen alpha-Herpesviren (z. B. felines Herpesvirus, Herpes-Simplex-Virus) bleiben die Hunde nach einer CHV-Infektion latent infiziert und gelegentlich kann das Virus auch wieder ausgeschieden werden.

Canines Influenzavirus (CIV)

Über Infektionen mit Influenza-A-Viren wurden in Nord- und Südamerika sowie England und Asien berichtet. Insbesondere bei Greyhounds in Zuchten und Tierheimen kam es zu hämorrhagischen Pneumonien

Die Symptome entsprechen denen einer respiratorischen Erkrankung. Es gibt jedoch keinen sicheren Anhaltspunkt, dass Hunde Menschen infizieren oder als Reservoirwirt für das Virus dienen können.

Weitere Erreger

Canines respiratorisches Coronavirus (CRCoV) zeigt eine hohe Affinität zum Respirationstrakt und scheint als Erreger mild verlaufender respiratorischer Infektionen bei gegen Zwingerhusten geimpften Hunde in Frage zu kommen.

Es gibt Hinweise aus serologischen Untersuchungen, dass in der Hundepopulation alle drei Serotypen von Reoviren vorkommen. Eine bedeutende Ursache des Zwingerhustens stellen Reoviren nicht dar. Es wird aber angenommen, dass sie einen immunsupprimierenden Effekt haben, da sie im Lymphgewebe infizierter Hunde zu persistieren scheinen. Dadurch können sie die Wirkung anderer viraler Pathogene verstärken.

Mykoplasmen können sowohl bei kranken als auch bei gesunden Hunden gefunden werden. Ihre größte Bedeutung haben sie wahrscheinlich als Sekundärerreger. Es gibt jedoch Hinweise , dass M. cynos bei Welpen im Alter von einer Woche per se zur Krankheit führen kann.

 

Klinik

Zwingerhusten ist eine hochgradig kontagiöse verlaufende Erkrankung der Hunde, die meist in Verbindung mit hohem Infektionsdruck also in Zuchten, Tierpensionen und Tierheimen mit zahlreichen Tieren auftritt. Die Inkubationszeit beträgt im Allgemeinen drei bis zehn Tage. Im Vorbericht ist häufig

Charakteristisch für Zwingerhusten ist das akute Auftreten eines trockenen, intermittierenden Hustens, der insbesondere in Verbindung mit Aufregung und Anstrengung einsetzt. Der Husten kann in der Regel durch Druck auf den Kehlkopf oder die Trachea ausgelöst werden.

Bei einfachen Krankheitsverläufen ist das Allgemeinbefinden nicht gestört, die Hunde nehmen normal Nahrung auf und es erfolgt eine Spontanheilung innerhalb von ein bis zwei Wochen.

In komplizierteren Fällen können paroxysmaler Husten, seröser oder mukopurulenter Nasenausfluss in Verbindung mit Allgemeinsymptomen wie Fieber und Anorexie auftreten. Hustenanfälle können so massiv sein, dass sie mit Würgen und Erbrechen einhergehen.

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Kategorie⇨ Innere Medizin
SpeziesHund
LeitsymptomeHusten
Hauptautor(en)Redaktion schaefermueller publ.
Redaktionelle BearbeitungRedaktion schaefermueller publ.
Zuletzt bearbeitet2019-06-14 18:10:14 von Redaktion schaefermueller publ.
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