Wissen gestalten – Ihr Wörterbuch, Nachschlagewerk und Wiki für Tiergesundheit

DE
EN
FR
ES
 
Schock, anaphylaktischer(m)
DefinitionDer anaphylaktische Schock stellt die schwerste und lebensbedrohliche Form der allergischen Reaktion mit der Folge eines Kreislaufzusammenbruchs dar. Ursache ist eine Verminderung der Organdurchblutung mit anschließender hypoxisch-metabolischer Schädigung der Zellfunktion als Folge einer generalisierten Überempfindlichkeitsreaktion vom Soforttyp.
Details

Anaphylaktischer Schock

Der anaphylaktische Schock stellt die Maximalreaktion einer Überempfindlichkeitsreaktion des Immunsystems auf ein spezifisches Allergen dar

Es handelt sich um einen akut lebensbedrohlichen Zustand. Als häufigste auslösenden Substanzen können Insektenallergene (z. B. Wespengift), Inhalationsallergene  (z. B. Pollen, Schimmelpilze), Futtermittelinhaltsstoffe oder Medikamente, seltener Kontaktallergene sein.  

Pathophysiologie

Nach Erstkontakt mit der in den Körper eingedrungenen und als den als Fremdstoff identifizierten Substanz werden Antikörpern vom Typ IgE (Sensibilisierung) gebildet (Antigen-Antikörper-Reaktion). Man bezeichnet diesen Prozess als Sensibilisierung.
Im Fall einer erneuten Exposition werden die gebildeten Antikörper sofort freigesetzt (Sofortreaktion). Durch die folgende Antigen-Antikörper-Reaktion erfolgt die Freisetzung gefäßaktiver Botenstoffe (z. B. Histamin, Serotonin, Bradykinin, Prostaglandin) aus Mastzellen und basophilen Granulozyten. Diese Mediatoren bewirken innerhalb von Minuten eine Vasodilatation, Steigerung der Gefäßpermeabilität, Kontraktion der glatten Muskulatur und Chemotaxis von Entzündungszellen. 

Klinik und Diagnose

Hinsichtlich des klinischen Verlaufs kann ein foudroyantes von einem etwas protrahiert verlaufenden Krankheitsbild unterschieden werden. Prodromalsymptome beim foudroyanten Verlauf können Juckreiz, Brennen und Hitzegefühl im Bereich des Oropharyngealraums (Würgen, Schluckbeschwerde, Hypersekretion sowie Parästhesien und Juckreiz an den Akren sein.
Im Anschluss kommt es zum typischen Bild des allergischen Kreislaufschocks mit blassern Schleimhäuten, Hypotonie und Tachykardie, Erbrechen und Bewusstlosigkeit, ausgelöst durch eine massive Vasodilatation.
Klinisch kann der Puls kaum ertastet werden. Er ist niederfrequent und der Blutdruck sinkt extrem. Infolge des niedrigen Blutdrucks kommt zu einer kompensatorischen Tachykardie. Aufgrund der erhöhten Gefäßpermeabilität der Kapillaren wird immer mehr Flüssigkeit ins Interstitium verloren. Die Folge ist ein hypovolämischer Schock.  

Für den protrahierten Verlauf sind generalisierte urtikarielle Exantheme typisch. Weiterhin können sich ein Quincke-Ödem im Bereich des Larynx sowie Bronchospasmen mit konsekutiven Atemnotanfällen entwickeln.

Therapie

Vorrangig sind neben allgemeinen Maßnahmen (kardiopulmonale Reanimation) eine Unterbrechung der Allergenzufuhr und die Gabe von Adrenalin (Tabelle 1). Bei unzureichendem Effekt ist eine Wiederholung dieser Dosierung in Abständen von wenigen Minuten möglich. Als nächste Maßnahme ist eine Volumensubstitution beispielsweise mit kristalloiden Lösungen (Ringer-Lactat-Lösung) durchzuführen. Antihistaminika können zusammen mit oder direkt nach Adrenalin verabreicht werden. Anschließend werden Glukokortikoide intravenös verabreicht, deren Wirkung mit einer Latenzzeit von 15–20 min einsetzt. Bei weniger ausgeprägten allergischen Reaktionen ist die alleinige orale oder parenterale Gabe von Antihistaminika in der Regel ausreichend. Patienten mit Bronchospasmus sollten als weiteres Medikament Theophyllin langsam über 10–20 min intravenös erhalten.

Tabelle 1  Reihenfolge der Maßnahmen bei anaphylaktischem Schock.

Gabe von                

Präparat

Kommentar

1. Adrenalin

Adrenalin 1:10000 Injektionslösung

 

Dosierungen können in 2- bis 5-minütigen Abständen wiederholt werden

Dosieraerosol

2. Antihistaminika

Clemastin

Verabreichung kann zusammen mit Adrenalin erfolgen

3. Glukokortikoide

Prednisolon

 

Wirkungseintritt nach 15–20 min

 

Kategorie⇨ Innere Medizin
LeitsymptomeSchock
Hauptautor(en)Redaktion schaefermueller publ.
Redaktionelle BearbeitungRedaktion schaefermueller publ.
Zuletzt bearbeitet2019-12-23 13:28:41 von Redaktion schaefermueller publ.
Artikel bearbeiten