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BARF(n)
DefinitionBARF (= „Bones And Raw Foods”, also sinngemäß „Knochen und rohe Futtermittel”) ist eine Fütterungsmethode bei Hund und Katze, die sich an der ursprünglichen Ernährung der Vorfahren unserer domestizierten Rassen orientiert und als „natürliche“ Fütterung des Tieres mit überwiegend Rohfuttermitteln zu verstehen ist. Allerdings besteht immer eine gewisse Gefahr der Fehlversorgung an Energie und Nährstoffen und rohes Fleisch birgt ein erhöhtes Infektionsrisiko (Parasiten, Bakterien, Viren). Diese Gefährdung kann nicht nur die Tiere, sondern auch die im Haushalt lebenden Menschen betreffen (Zoonoseerreger, z. B. Salmonellen).
Details

Rohfütterung - BARF bei Hund und Katze

Einleitung
Verdauungsphysiologie
Beeinflussung der Verdauungsprozesse
Futtermittel und Nährstoffverdaulichkeit
Einzelfuttermittel
Probleme und Risiken
Fallbeispiele
Literatur
 

Einleitung:
Ernährungsphysiologische Unterschiede zwischen Hunden und Katzen

Die Rohfütterung von Hunden und Katzen erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Dies lässt sich nicht zuletzt damit erklären, dass viele Besitzer eine „natürliche“ Fütterung ihres Tieres wünschen, die sich an der ursprünglichen Ernährung des Hundes bzw. der Katze orientiert (BARF = „Bones And Raw Foods”, also sinngemäß „Knochen und rohe Futtermittel”). Die Aufgabe des Tierarztes ist es, über mögliche Risiken aufzuklären und adäquate Hinweise zu einer bedarfsdeckenden Energie- und Nährstoffversorgung des Tieres zu geben.

Insgesamt ist es ohne Weiteres möglich, einen Hund oder eine Katze mit rohem Futter zu ernähren. Allerdings besteht immer eine gewisse Gefahr der Fehlversorgung an Energie und Nährstoffen. Darüber hinaus birgt rohes Fleisch ein erhöhtes Infektionsrisiko (Parasiten, Bakterien, Viren), wobei nicht nur die Tiere, sondern auch die im Haushalt lebenden Menschen gefährdet sein können (Zoonoseerreger, z. B. Salmonellen). Eine Infektion mit dem Aujeszky-Virus über rohes Schweinefleisch (auch Wildschweinefleisch) endet für Katzen und Hunde stets tödlich und kann einzig durch Kochen des Fleisches verhindert werden. Neben dem Infektionsrisiko stellen Verdauungsstörungen bei Hunden und Katzen ein häufiges Problem der Rohfütterung dar. Diese können v. a. durch den Einsatz weniger hochwertiger Eiweißlieferanten (bindegewebsreiche Schlachtabfälle) oder aufgrund einer zu hohen Eiweißzufuhr (einseitige Fleischfütterung) auftreten. In beiden Fällen findet keine ausreichende Proteinverdauung im Dünndarm statt, sodass größere Mengen an unverdautem Eiweiß in den Dickdarm gelangen. Dort wird dieses von Bakterien verstoffwechselt, wobei Gase (Gefahr von Flatulenz bei den Tieren) und schädliche Abbauprodukte wie Ammoniak entstehen. Zudem kann es durch den Nährstoffeinstrom zu Verschiebungen der Mikrobiota (Dysbiosen) und nachfolgend zu Verdauungsstörungen wie Diarrhoe kommen.

Hunde und Katzen unterscheiden sich sowohl in ihrem Nährstoffbedarf als auch in dem Futteraufnahmeverhalten und den bevorzugten Futtermitteln. Vor dem Hintergrund der „ursprünglichen“ oder „natürlichen“ Ernährung, auf die sich nicht zuletzt auch häufig die Rohfütterung beruft, ist ein erster Unterschied interessant: So haben Hunde (Wölfe) von jeher stets auchpflanzliche Materialien (Gräser, Obst etc.) aufgenommen, wohingegen Katzen immer schon stark auf tierische Futtermittel fixiert waren und bis heute sind. Kohlenhydrate werden von ihnen häufig nicht oder nur mäßig akzeptiert und zudem in größeren Mengen schlecht vertragen (s. u.). Da Katzen einen höheren Proteinbedarfaufweisen als Hunde, ist die ausgeprägt carnivore Ernährungsweise biologisch sinnvoll und spiegelt sich in zahlreichen physiologischen Eigenarten wider. Ebenso kann durch die starke Präferenz für tierische Futtermittel, insbesondere für Fleisch, auch der Taurinbedarf der Katze abgedeckt werden. Da Katzen eine nur geringe Aktivität eines Enzyms aufweisen, welches für die Umwandlung von Cystein zu Taurin verantwortlich ist, ist die Eigensynthese nur unzureichend und Taurin muss über das Futter aufgenommen werden. Fleisch ist besonders taurinreich, wohingegen in pflanzlichen Materialien kein Taurin zu finden ist.

Als weitere Besonderheit der Katze ist die häufig vorzufindende starke Präferenz für bestimmte Futtersorten zu erwähnen. Eine Konditionierung findet in der Regel in den ersten Lebensmonaten statt. Werden Katzen in dieser Zeit sehr einseitig ernährt, kann es passieren, dass die Tiere eine Fixierung auf dieses Futter entwickeln und andere Futterrationen ablehnen. Ebenso ist es möglich, dass adulte Katzen, die einseitig mit besonders schmackhaften Futtermitteln ernährt werden, auf einen bestimmten Futtermitteltyp fixiert sind. Hunde weisen eine solch strikte Fixierung auf bestimmte Futtermittel in der Regel nicht auf, sodass es leichter ist, eine bestehende Fütterung zu ändern.

Ein weiterer Unterschied zwischen Hunden und Katzen ist die Häufigkeit der Futteraufnahme.Während der Hund (Wolf) ursprünglich auch größere Beutetiere gefangen und gefressen hat (und anschließend auch einmal längere Fastenzeiten auftreten konnten), ist die „natürliche“ Futteraufnahme der Katze durch den Fang kleiner Beutetiere auf mehrere (8–20)kleine Mahlzeiten am Tag ausgerichtet. Dieses Verhalten kann auch heutzutage selbst bei einer reinen Wohnungshaltung z. T. noch beobachtet werden, da einige Katzen sich ihr Futter über den Tag verteilt einteilen und immer nur kleinere Futtermengen aufnehmen (statt einer großen Mahlzeit auf einmal). Hier gibt es jedoch sicherlich große individuelle Unterschiede, da einige Katzen auch dazu neigen, das gesamte angebotene Futter „hinunterzuschlingen“. Während der Hund mehr oder wenig lange Fastenperioden gut toleriert, ist eine Nahrungskarenz bei Katzen, insbesondere wenn Übergewicht vorliegt, lebensbedrohlich (Gefahr der hepatischen Lipidose).

Katzen weisen neben den beschriebenen Aspekten auch Besonderheiten im Vitaminstoffwechsel auf: So können sie, anders als der Hund, Vitamin A nicht aus ß-Carotin und Niacin nicht in ausreichenden Mengen aus Tryptophan synthetisieren.

Schließlich sei erwähnt, dass sowohl für Hunde als auch für Katzen die Linolsäure essenziell ist. Bei Hunden kann weiterhin auch die α-Linolensäure nicht vom Körper selbst hergestellt werden, dies ist vermutlich auch bei der Katze der Fall. Des Weiteren sind die Arachidonsäurebei Katzen während der Reproduktion und die Eicosapentaensäure vermutlich in allen Lebensstadien essenziell, wenn auch nur geringste Mengen über das Futter aufgenommen werden müssen.

Kurzer Überblick über die Verdauungsphysiologie von Hunden und Katzen

Die Verdauung beginnt bei Hunden und Katzen bereits im Maul, wenn die aufgenommene Nahrung zerkleinert und eingespeichelt wird (Abb. 1). Verdauungsenzyme werden mit dem Speichel allerdings nicht sezerniert. Über die Speiseröhregelangt der Nahrungsbolus anschließend in den Magen, wo durch die Sekretion des Magensaftes einerseits mit dem Futter aufgenommene Bakterien abgetötet und andererseits die Proteinverdauung eingeleitet wird (Aktivierung von Pepsinogenen zu Pepsinen). Auch die Lipaseaktivität im Magensaft ist recht hoch. Hauptort der Verdauungsprozesse für alle Nährstoffe ist der Dünndarm. 

Verdauungsprozesse Fleischfresser

Abb. 1: Übersicht über die Verdauungsprozesse bei Hunden und Katzen.
Die roten Pfeile symbolisieren Resorptions- und die blauen Pfeile Sekretionsvorgänge (Abb. modifiziert nach: J. Zentek. Hunde richtig füttern. 3. Aufl., 2012. Ulmer, Stuttgart).

 

Dort werden die Nährstoffe in Kleinstbausteine zerlegt (Zucker, Aminosäuren, Fettsäuren) und über die Darmwand resorbiert. Auch Mineralstoffe, Vitamine und Wasser werden über die Darmwand aufgenommen. Die Aufspaltung der Nährstoffe geschieht durch das Zusammenwirken der Verdauungsenzyme aus dem Darmsaft, des Pankreas und der Darmschleimhaut. Zudem beeinflusst die Gallensekretion der Leber die Eiweiß- und insbesondere die Fettverdauung. Schließlich sei erwähnt, dass im Dünndarm nicht nur Nährstoffe resorbiert werden, sondern auch eine endogene Sekretion (Eiweiß, Mineralstoffe, Wasser) stattfindet. Im Dickdarm findet in erster Linie eine „Eindickung“ der Digesta durch die Resorption von Wasser statt. Von den im Dünndarm nicht verdauten Nährstoffen können noch Mineralstoffe über die Darmwand aufgenommen werden, wohingegen die übrigen Nährstoffe den Dickdarmbakterien zur Fermentation zur Verfügung stehen. Während die Fermentation von Rohfaser im Dickdarm erwünscht ist, da diese zu einer Stabilisierung der intestinalen Mikrobiota beiträgt, kann ein verstärkter Einstrom von Stärke oder Eiweiß Probleme bereiten. Wurden diese Nährstoffe im Dünndarm unzureichend resorbiert, wie es bei schwer verdaulichen Futtermitteln oder einer ins gesamt zu hohen Nährstoffaufnahme der Fall ist, gelangen sie in den Dickdarm und werden dort von den Bakterien verstoffwechselt. Dabei ent stehen Gase (Gefahr von Flatulenz bei den Tieren) und schädliche Abbau produkte wie beispielsweise Ammoniak. Zudem kann der Nähr stoffeinstrom zu einer einseitigen Förderung bestimmter Bakterien führen. Die Verschiebungen in der Zusammensetzung der intestinalen Mikrobiota (Dysbiosen) können dann Verdauungsprobleme wie beispielsweise Diarrhoe bei den Tieren hervorrufen ( s. u.).

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass für eine adäquate Verdauung ein Zusammenspiel körpereigener Enzyme und der Darmbakterien erforderlich ist (Abb. 2). Bei einem Mangel an Enzymen (z. B. bei einer Pankreas insuffizienz) oder bei Verschiebungen der intestinalen Mikrobiota können Verdauungsprobleme bei den Hunden oder Katzen auftreten.

Verdauungsenzyme und Flora

Abb. 2: Für eine ungestörte Verdauung ist das Zusammenwirken von Verdauungsenzymen und Bakterien entscheidend (Abb. modifiziert nach: J. Zentek. Hunde richtig füttern. 3. Aufl., 2012. Ulmer, Stuttgart).

 

Beeinflussung der Verdauungsprozesse

Die Verdauung von Hunden und Katzen kann durch verschiedene Faktoren beeinflusst werden: So verändert sich im Alter die Zusammensetzung der intestinalen Mikrobiota von Hunden (Abb. 3), indem vermehrt unerwünschte Clostridien und weniger erwünschte Laktobazillen vorzufinden sind. Dies ist prinzipiell problematisch und kann Verdauungsprobleme hervorrufen.

Abb. 3: Veränderungen der intestinalen Mikrobiota bei Hunden im Alter (Benno et al., 1992). Dargestellt sind die Zellzahlen in der Digesta des Ileums bei jungen (< 1 Jahr alt) und älteren Hunden (> 11 Jahre alt).

 

Weiterhin wurde bei Katzen beobachtet, dass im Alter offenbar die Verdauungskapazität für Kohlenhydrate und Fette zurückgeht. Neben den beschriebenen Effekten des Alters können auch Erkrankungen Einfluss auf die Verdauung nehmen. So ist beispielsweise bei einer Pankreasinsuffizienz die Fettverdauung stark beeinträchtigt, weil nur von der Bauchspeicheldrüse das entsprechende Verdauungsenzym (Lipase) sezerniert wird. In diesen Fällen empfiehlt sich eine fettreduzierte Diät, um die eingeschränkte Enzymsekretion zu kompensieren.

Auch die Rasse des Tieres kann die Verdauungsprozesse beeinflussen. Insgesamt scheinen Verdauungsprobleme häufiger bei Hunden großer Rassen als bei kleinen Hunden vorzukommen. Eine mögliche Erklärung hierfür ist, dass große Hunde relativ gesehen (pro kg Körpergewicht) einen kürzeren Verdauungstrakt haben als Hunde kleiner Rassen (Abb. 4). Vor diesem Hintergrund sind auch die Ergebnisse verschiedener Studien zu sehen, die zeigen konnten, dass die intestinale Resorption von Flüssigkeit und Elektrolyten bei großen Hunderassen im Vergleich zu kleineren Hunden reduziert ist. Aus diesem Grund vertragen große Hunde auch Feuchtfutter schlechter als kleine Hunde (Abb. 5).

Abb. 4: Relativer Anteil (%) des Verdauungskanals und der Leber an der Körpermasse (KM) von Hunden (Quelle: Meyer et al., 1993).

 

Abb. 5: Einfluss eines Trocken- und eines Feuchtfutters auf den Wasser gehalt im Kot von Hunden kleiner und großer Rassen (n = 10 Rassen) (Meyer et al., 1999). Während der Kot bei Verfütterung des Trockenfutters bei allen Hunden fest war, nahm der fäkale Wassergehalt bei Einsatz eines Feuchtfutters bei den großen Hunderassen deutlich zu. Die reduzierte Toleranz von Feuchtfutter bei großen Hunden lässt sich mit den Ergebnissen verschiedener Studien erklären, die zeigen konnten, dass große Hunde eine geringere Fähigkeit zur intestinalen Resorption von Flüssigkeit und Elektrolyten aufweisen als kleine Hunde. * IW = Irish Wolfhound

 

Schließlich beeinflusst das eingesetzte Futter maßgeblich die Verdauungsprozesse. So setzt beispielsweise ein hoher Rohfasergehalt die Gesamtverdaulichkeit der Ration herab (Abb. 6). Weiterhin hat insbesondere die Qualität der eingesetzten Futtermittel einen besonderen Einfluss auf die Verdauung und soll im Folgenden näher erläutert werden.

 

Abb. 6: Einfluss des Rohfasergehalts auf die scheinbare Verdaulichkeit der Ration. Je höher der Rohfaseranteil, desto geringer die Verdaulichkeit der organischen Substanz (oS) (Nach Opitz, 1996).

 

Die Futterqualität und -Zubereitung beeinflussen die Nährstoffverdaulichkeit

Die Kohlenhydratverdaulichkeit bei Hunden und Katzen hängt überwiegend davon ab, ob und wie die Stärke vor der Verfütterung aufgeschlossen wurde (Tab. 1). So können beispielsweise roher Reis oder rohe Kartoffeln nicht verdaut werden, wohingegen diese Futtermittel im gekochten Zustand hoch verdaulich sind. Durch die thermische Behandlung wird die Stärkestruktur verändert (Gelatinisierung) und dadurch für die Verdauungsenzyme im Dünndarm besser angreifbar gemacht. Dieser Aspekt ist auch bei der Rohfütterung zu berücksichtigen: Während einige Hunde- und Katzenbesitzer durchaus gekochte Kohlenhydratlieferanten wie Reis, Kartoffeln oder Nudeln einsetzen und nur das Fleisch roh verfüttern, möchten andere Tierbesitzer hingegen gänzlich auf gekochte Futtermittel verzichten. Im letzteren Fall besteht die Möglichkeit, gar keine Kohlenhydratquellen in der Ration einzusetzen und nur Eiweißlieferanten (v. a. Fleisch) mit geeigneten Futtermitteln zur Vitamin- und Mineralstoffergänzung (s. u.) zu kombinieren. Bei Hunden können zudem Haferflocken als Kohlenhydratquelle eingesetzt werden, da bei diesen die Stärke bereits im Rahmen der Flockenherstellung aufgeschlossen wurde. Katzen fressen Haferflocken in der Regel nicht gerne.

  

Tab. 1: Scheinbare Verdaulichkeit (sV) verschiedener Stärken beim Hund in % (Quelle: Meyer und Zentek, 2010).  

Anders als bei der Stärkeverdaulichkeit hängt die Eiweißverdaulichkeitweitaus weniger von der thermischen Behandlung der Futtermittel ab (Tab. 2). Eine Ausnahme bilden hier die Eier: Da das Eiklar einen Trypsinhemmstoff enthält, ist die Eiweißverdauung bei Verfütterung größerer Mengen an rohen Eiern eingeschränkt (s. u.). Werden die Eier hingegen gekocht, wird der Trypsinhemmstoff inaktiviert und damit die Eiweißverdaulichkeit nicht beeinträchtigt.

 

Tab. 2: Scheinbare Verdaulichkeit (sV) verschiedener Eiweiße (%) beim Hund (Quelle: Meyer und Zentek, 2010).

 

Bei den verschiedenen Eiweißlieferanten, die in der Fütterung von Hunden und Katzen eingesetzt werden, gibt es erhebliche Qualitätsunterschiede:

So werden bindegewebsreiche Materialien (Schlachtabfälle) nur ungenügend durch körpereigene Enzyme verdaut, sodass es zu einem verstärkten Einstrom von nicht verdautem Eiweiß in den Dickdarm kommt (Abb. 7). Als Folge können Dysbiosen und damit Verdauungsprobleme wie Diarrhoe oder Flatulenz bei den Tieren auftreten.

 

Abb. 7: Wird schwer verdauliches Eiweiß (bindegewebsreiche Schlachtabfälle, Sehnen, Knorpel) in größeren Mengen von Hunden oder Katzen auf genommen, so können die Verdauungsenzyme im Dünndarm dieses nicht ausreichend aufschließen. Ebenso kann eine zu hohe Eiweißaufnahme (z. B. einseitige Fütterung von Fleisch) die Enzymkapazität überlasten. In beiden Fällen kommt es zu einem vermehrten Einstrom von Eiweiß in den Dickdarm, wo es von den dort ansässigen Bakterien verstoffwechselt wird. Die Bakterien produzieren bei dem Eiweißabbau Gase (Gefahr von Flatulenz bei den Tieren) und schädliche Abbauprodukte wie z. B. Ammoniak. Zudem werden die eiweißverwertenden Bakterien einseitig durch den Nährstoffeinstrom gefördert. Als Folge dieser Dysbiosen im Dickdarm können die Tiere Verdauungsprobleme wie Diarrhoe entwickeln (Abb. modifiziert nach: J. Zentek. Hunde richtig füttern. 3. Aufl., 2012. Ulmer, Stuttgart).

 

Die Fettverdaulichkeit ist bei gesunden Hunden und Katzen hoch und weitgehend unabhängig von der Fettquelle (Tab. 3). Allerdings weisen die verschiedenen Öle ein unterschiedliches Fettsäurenmuster auf. Hier sind insbesondere die n-3-Fettsäuren von diätetischem Interesse (s. u.).

 

Tab. 3: Scheinbare Verdaulichkeit (sV) verschiedener Fette und Öle (%) beim Hund (Quelle: Meyer und Zentek, 2010).

 

Einzelfuttermittel

Einzelfuttermittel für Hunde und Katzen können tierischer, pflanzlicher oder mineralischer Herkunft sein. Obgleich traditionell Futtermittel dominieren, die von Tieren stammen, haben heute jedoch auch häufig pflanzliche Produkte eine große Bedeutung.

Fleisch

Fleisch liefert vorrangig hochwertiges Eiweiß und, je nach Tierart, auch Fett. Mageres Fleisch stammt beispielsweise vom Geflügel, Kaninchen und Pferd, fettreicher sind Schweine- oder Schaffleisch. Entsprechend variieren sowohl der Energiegehalt (0,5–2 MJ ME/100 g) als auch das Protein : Energie- Verhältnis (6–38 g vRp/1 MJ ME). Die Verdaulichkeit des Eiweißes ist mit 98 % sehr hoch, handelt es sich um sehr sehniges Fleisch, liegt die Verdaulichkeit etwas niedriger. Eine alleinige Fleischfütterung ist nicht bedarfsdeckend, da es an vielen Mineralstoffen und Vitaminen fehlt: So sind die Gehalte an Kalzium, Natrium, Jod, Kupfer und Mangan sowie an Vitamin A und Vitamin D gering. Nach einseitiger Fleischfütterung können entsprechend Ausfallerscheinungen am Skelett bzw. an der Schilddrüse auftreten. Zudem sind durch die hohe Eiweißaufnahme Fehlgärungen im Dickdarm (Absatz von schmierigem, übelriechendem Kot) möglich.

Vormägen, Mägen

Pansen ist in ungereinigter (grüner Pansen) und gereinigter Form (weißer Pansen) erhältlich. Die Eiweißqualität ist geringer als beim Fleisch (Tab. 2) und kann gegebenenfalls Verdauungsprobleme wie Flatulenz beim Hund hervorrufen. Die Gehalte an Kalzium und fettlöslichen Vitaminen sind gering, sodass entsprechende Ergänzungen erforderlich werden. Schweinemägen sind fettreicher als die Vormägen der Wiederkäuer, die Mineralstoff- und Vitamingehalte sind hingegen ähnlich.

Leber, Niere

Leber und Niere sind hochverdauliche Organe, die meist von Hunden und Katzen gerne gefressen werden. Die Organe sind eiweißreich (25 %) und relativ fettarm (~ 5 %), die Kalziumgehalte ähnlich niedrig wie im Muskelfleisch.

Bedeutsam sind die hohen Mengen an Eisen, Kupfer und Vitamin A in der Leber, auch die Gehalte an Vitamin B2, B12 und Biotin sind beachtlich. Aus diesem Grund kann Leber gut zur Mineralstoff- und Vitaminergänzung in Rationen eingesetzt werden, insbesondere, wenn der Tierbesitzer ein kommerzielles vitaminiertes Mineralfutter ablehnt. Anzumerken ist, dass bei Katzen auf eine übermäßige Gabe von Leber verzichtet werden sollte, da andernfalls die Gefahr zur Ausbildung schwerwiegender Knochenstörungen (zervikale Spondylosen bei einseitiger Leberfütterung!) besteht. Hunde scheinen eine höhere Toleranz gegenüber Vitamin A aufzuweisen.

Bindegewebsreiche Schlachtabfälle

Zu den bindegewebsreichen Schlachtabfällen zählen Lunge, Euter, Milz, Därme, Ohren, Sehnen, Schwarten, Knorpel und andere Materialien. Obgleich es sich hierbei um eiweißreiche Futtermittel handelt, ist die Verdaulichkeit im Dünndarm gering. Vielmehr wird das unverdaute Eiweiß vermehrt im Dickdarm von den dort ansässigen Bakterien abgebaut, wodurch eine erhöhte Gefahr von Dysbiosen und Verdauungsstörungen besteht (s. o.). Die Aminosäurenzusammensetzung der genannten Schlachtabfälle ist ungünstig und die Mineralstoff- und Vitamingehalte sind noch geringer als beim Fleisch.

Blut, Speck, Wurst

Blut wird heutzutage kaum noch verfüttert. Es liefert hochwertiges Eiweiß, Natrium und Eisen und ist zudem vitaminreich. Durchwachsener Speck ebenso wie Rückenspeck sind vor allem Energielieferanten, die im Allgemeinen eine hohe Akzeptanz aufweisen. Wurstwaren haben einen hohen Fett-, mittleren Protein- und geringen Mineralstoff- und Vitamingehalt.

Milch und Milchprodukte

Milch und Milchprodukte wie Käse oder Quark liefern hochwertiges Eiweiß sowie einige Mengenelemente und Vitamine. Limitierend in der Fütterung von Kuhmilch ist vor allem der hohe Gehalt an Laktose (rd. 5 g/100 ml). Da die Enzymaktivität zur Aufspaltung des Milchzuckers mit dem Alter abnimmt, vertragen adulte Hunde und Katzen in der Regel nur noch geringe Mengen an Milch (max. 20–40 ml/kg Körpermasse/Tag). Die Laktosegehalte in Quark, Joghurt oder Frischkäse sind deutlich niedriger als in der Kuhmilch, sodass diese Futtermittel in größeren Mengen in der Fütterung von Hunden und Katzen eingesetzt werden können. Magermilch ist ähnlich wie Vollmilch zu beurteilen, allein der geringere Energiegehalt infolge des Fettentzuges und der Verlust an fettlöslichen Vitaminen sind zu berücksichtigen.

Eier

Eier liefern überwiegend Protein und Fett (letzteres im Dotter). Sie sind hoch akzeptabel und im gekochten Zustand gut verdaulich. Das Verhältnis von Protein zu Energie (g vRp : MJ ME = 14:1) ist günstig, zudem finden sich im Eidotter hohe Gehalte an essenziellen Fettsäuren (positive Wirkung auf den Glanz des Felles) und Vitaminen. Rohe Eier können aus folgenden Gründen nicht in größeren Mengen an Hunde und Katzen verfüttert werden:

  • Ein im Eiklar enthaltener Trypsinhemmstoff beeinträchtigt die Eiweißverdauung und begünstigt Verdauungsstörungen.
  • Eine ebenfalls im Eiklar vorkommende antinutritive Substanz, das Avidin, bindet Biotin und führt innerhalb weniger Tage zu klassischen Mangelerscheinungen.
  • Beide Stoffe sind thermolabil und durch Kochen weitgehend zu inaktivieren.

Fische und Fischprodukte

Frische Fische müssen stets gekocht werden. Zum einen geht von rohem Fisch eine allgemeine Infektionsgefahr durch eventuell vorhandene Parasitenzwischenformen und Bakterien aus. Zum anderen stellen Thiaminasen (Vitamin B1-spaltende Enzyme) ein weiteres Problem dar, da diese einen Vitamin B1-Mangel bei Hunden und Katzen hervorrufen können.

Durch das Kochen des Fisches werden diese Enzyme inaktiviert. Weiterhin findet sich im rohen Fisch eine Substanz namens Trimethylamin, welche bei langdauernder einseitiger Fischfütterung Anämien verursachen kann. Auch diese Substanz lässt sich durch das Kochen inaktivieren. Schließlich ist darauf hinzuweisen, dass insbesondere Hunde nach der Aufnahme von Fisch häufig auch schnell nach Fisch riechen, was nicht zuletzt für die Tierbesitzer ein limitierender Faktor ist. Aus den genannten Gründen sind Fische und Fischmehle bei Hunden und Katzen nur in begrenzten Mengen einzusetzen.

Knochen

Knochen werden im Rahmen der Rohfütterung gerne eingesetzt. Sie liefern insbesondere Kalzium und Phosphor, daneben aber auch Magnesium, Natrium und Zink. Zur bedarfsdeckenden Versorgung mit Kalzium und Phosphor reichen 1 g Knochen pro kg Körpermasse und Tag aus. Obgleich diese Werte in der Praxis häufig überschritten werden, sollte die tägliche Gesamtaufnahme an Knochen 10 g/kg Körpermasse nicht übersteigen, da andernfalls Obstipationen (so genannter Knochenkot) drohen. Weiterhin sollte die Herkunft der Knochen bei der Verfütterung beachtet werden:

So eignen sich zur Mineralstoffergänzung weniger harte Knochen von jüngeren Tieren (Kalb, Mastschwein, Geflügel) oder aber Knochen einer bestimmten Herkunft (Rippen, Brustbein). Da Knochen von Wildtieren oder älterem Geflügel leichter splittern, sollten diese nicht in der Fütterung von Hunden und Katzen eingesetzt werden.

Zur Beschäftigung der Tiere können auch härtere Knochen (Oberarm- oder Oberschenkelknochen) eingesetzt werden. Hierbei besteht allerdings ein gewisses Risiko für Zahnfrakturen. Positive Effekte auf die Zahngesundheit können unter Umständen durch die Verfütterung von Knochen jüngerer Schlachttiere erzielt werden. Durch die Kautätigkeit wird ein Reinigungseffekt der Zähne erzielt und damit der Plaquebildung in einem gewissen Umfang vorgebeugt.

Getreide

Getreide ist ein typischer Stärke- und damit Energielieferant. Es ist eiweißarm und weist aufgrund der geringen Gehalte an essenziellen Aminosäuren eine nur mäßige Proteinqualität auf. Mit Ausnahme des Hafers und der Gerste ist Getreide rohfaserarm, und auch die Fettgehalte sind, außer beim Hafer und Mais, gering. Hinsichtlich der Mineralstoffgehalte ist zu beachten, dass Getreide ein ungünstiges Kalzium : Phosphor-Verhältnis aufweist, da es kalziumarm und phosphorreich ist. Der Phosphor ist überwiegend an Phytinsäure gebunden. Da diese Verbindung erst durch spezielle Enzyme (Phytasen) aufgespalten werden muss, wird Phosphor aus Getreide weniger gut verdaut als aus Futtermitteln tierischer Herkunft. Die Spurenelementgehalte im Getreide sind nur mäßig.

Nudeln und Kartoffeln

Nudeln und Kartoffeln sind stärkereich und liefern damit vor allem Energie. Für einen ausreichenden Stärkeaufschluss müssen diese Futtermittel vor der Verfütterung gekocht werden. Nudeln und Kartoffeln sind arm an sonstigen Nährstoffen, allerdings weisen Kartoffeln sehr hohe Kaliumgehalte auf. Grün gewordene Knollen dürfen aufgrund des hohen Solaningehalts nicht an Hunde und Katzen verfüttert werden.

Gemüse und Obst

Insbesondere beim Hund wird häufig Gemüse in der Fütterung eingesetzt, um einerseits einen ausreichenden Rohfasergehalt in der Ration zu erzielen und andererseits Mineralstoffe und Vitamine bereitzustellen. Hierbei ist allerdings zu beachten, dass bei der Verfütterung üblicher Mengen an Gemüse (bis 5 % der Gesamttrockensubstanz) der Mineralstoff- und Vitamin bedarf von Hunden und Katzen nicht abgedeckt werden kann. Eine zusätzliche Ergänzung über ein vitaminiertes Mineralfutter oder andere Futtermittel ist demnach erforderlich.

Zwiebeln im Übermaß (> 5 g/kg Körpermasse/d) sind schädlich, ebenso Knoblauch. Einige Gemüsearten, wie z. B. Tomaten oder Möhren, weisen höhere Gehalte an Pektinen auf, wodurch sie auch von diätetischem Interesse sind: Die Pektine werden im Dickdarm von Bakterien fermentiert und können auf diese Weise zu einer Stabilisierung der intestinalen Mikrobiota beitragen. Obst ist wasser- und faserreich und liefert wasserlösliche Vitamine. Zum Teil liegt eine leicht abführende Wirkung vor. Bei Pflaumen müssen die Kerne vor der Verfütterung entfernt werden, da andernfalls Verstopfungen drohen.

Fette und Öle

Fette und Öle stellen essenzielle Fettsäuren bereit und sind typische Energielieferanten. Darüber hinaus sind sie für die Resorption der fettlöslichen Vitamine im Darm bedeutsam und steigern die Akzeptanz eines Futters. Je nach Herkunft des Öls bestehen deutliche Unterschiede in den Gehalten an n-3- und n-6-Fettsäuren (Tab. 4). Diätetisch günstig sind hohe Gehalte an n-3-Fettsäuren, da diese entzündungshemmend wirken (Abb. 8).

Tab. 4: Übersicht über die Gehalte an n-9-, n-6- und n-3-Fettsäuren bei unterschiedlichen Ölsorten.

 

Abb. 8: Sowohl n-3- als auch n-6-Fettsäuren sind Vorläufer von Prostaglandinen, die eine bedeutende Rolle im Entzündungsgeschehen spielen: Während n-3-Fettsäuren zu der Serie 3 der Prostaglandine abgebaut werden, die entzündungshemmend wirken, entstehen bei dem Abbau von n-6-Fettsäuren überwiegend Prostaglandine der Serie 2, die entzündungsf.rdernd wirken. Ausnahmen bilden das Borretsch- und Nachtkerzenöl, die größere Mengen an Dihomo-_-Linolensäure aufweisen. Diese n-6-Fettsäure wird bevorzugt zu Prostaglandinen der Serie 1 abgebaut, die wiederum entzündungshemmend wirken.

Rationsgestaltung

Der klassische Rationsaufbau für Hunde ist in Abb. 9 wiedergegeben. So kann bei adulten Hunden sowie bei Arbeitshunden durchaus die Hälfte (oder etwas mehr) der Ration aus Kohlenhydratlieferanten bestehen. Wie oben bereits geschildert, kann dieser Punkt bei der Rohfütterung problematisch sein, da viele Kohlenhydratquellen vor der Verfütterung gekocht werden müssen (Nudeln, Reis, Kartoffeln). Lehnen die Tierbesitzer das Kochen generell ab, sind allenfalls noch Haferflocken als Kohlenhydratquelle einzusetzen, da diese bereits während des Herstellungsprozesses erhitzt wurden, wodurch eine gute Stärkeverdaulichkeit gegeben ist. Unter Umständen ist bei Tierbesitzern, die eine Rohfütterung ihrer Tiere wünschen, auch generell eine Abneigung gegenüber Kohlenhydratlieferanten vorzufinden. Grundsätzlich kann auf diese bei der Zusammenstellung einer Ration für Hunde und Katzen auch gänzlich verzichtet werden, allerdings ist hierbei zu berücksichtigen, dass in diesen Fällen der Eiweißgehalt in der Ration sehr hoch ist. Dadurch können gegebenenfalls Verdauungsprobleme wie Flatulenz oder Durchfall bei den Tieren entstehen, da die Enzymkapazität für die Eiweißverdauung im Dünndarm überlastet ist und vermehrt unverdautes Eiweiß in den Dickdarm gelangt (s. o., siehe Abb. 7). Insgesamt sollte der Fleischanteil daher möglichst ausgewogen in Relation zu den übrigen Rationskomponenten sein.

  

Abb. 9: Klassischer Rationsaufbau für Hunde in unterschiedlichen Lebensphasen bzw. bei unterschiedlicher Belastung. g/kg KM/d: Gramm pro Kilo gramm Körpermasse pro Tag

 

Wichtig für eine bedarfsdeckende Ration ist die Supplementierung mit Ölen bzw. Fetten zur Bereitstellung essenzieller Fettsäuren sowie mit Futtermitteln zur Versorgung mit Mineralstoffen und Vitaminen. Letztere können durch ein vitaminiertes Mineralfutter ergänzt werden. Lehnen die Tierbesitzer derartige Produkte ab, kann auch die Kombination von Leber und Knochen eingesetzt werden. Schließlich sollten Ballaststoffe (Rohfaser) die Ration komplettieren, um eine ausreichende Darmmotilität sicherzustellen. Infrage kommen Obst, Gemüse oder auch Futterzellulose. In den Tabellen 5–7 finden sich beispielhaft Rationen für Hunde und Katzen, wobei auf den Einsatz einer Kohlenhydratquelle verzichtet wurde. Zu berücksichtigen ist stets, dass die Futtermengen je nach eingesetzten Futtermitteln (v. a. mageres oder fettes Fleisch) stark variieren können (vgl. Tab. 5 und 6).

  

Tab. 5: BARF-Ration auf Rindfleischbasis für Hunde.

  

Tab. 6: BARF-Ration auf Schaffleischbasis für Hunde. 

 

Tab.7: BARF-Ration auf Rindfleischbasis für Katzen.

 

Probleme und Risiken 

Mineralstoffmängel und -überversorgungen

Im Rahmen der Rohfütterung kommt es in der Praxis nicht selten zu Fehlversorgungen mit Mineralstoffen, da ungeeignete Futtermittel und / oder Mengen von diesen eingesetzt werden. Dadurch können unter Umständen massive Störungen bei Hunden und Katzen hervorgerufen werden. So ist beispielsweise eine Über- oder Unterversorgung mit Kalzium problematisch und birgt insbesondere bei großen Hunderassen die Gefahr von schwerwiegenden Skelettstörungen: Zu einer Kalziumüberversorgungkommt es in der Praxis entweder durch den unkritischen Einsatz eines Mineralfutters oder durch die Verfütterung zu großer Knochenmengen. Bedarfsdeckend sind 1 g Knochen pro kg Körpermasse und Tag, diese Werte werden in der praktischen Fütterung jedoch häufig deutlich überschritten. Neben Skelettdeformationen, die insbesondere in der Wachstumsphase entstehen können, können durch überh.hte Knochenmengen auch ein sehr harter Kot (so genannter Knochenkot) und nachfolgend Obstipationen bei den Tieren auftreten. Zu einer Kalziumunterversorgungkommt es, wenn in einer Ration keine geeignete Mineralstoffsupplementierung vorgenommen wird. Wie oben bereits geschildert, ist Fleisch kalziumarm und als alleiniges Futtermittel nicht geeignet, um den Nährstoffbedarf eines Hundes bzw. einer Katze zu decken. Als Resultat eines Kalziummangels können ebenfalls Knochenstörungen (Entkalkungen) auftreten (Abb. 10).

 

Abb. 10: Einfluss des Kalziumgehalts im Futter auf den Knochenmetabolismus. Bei einem Kalziummangel sowie bei einem ungünstigen Kalzium: Phosphor-Verhältnis wird Parathormon ausgeschüttet, um Kalzium aus den Knochen zu mobilisieren. Geschieht dies über einen längeren Zeitraum, kommt es zur Demineralisation und nachfolgend zu Skelettstörungen. Bei einer überh.hten Kalziumzufuhr mit dem Futter wird das Hormon Kalzitonin ausgeschüttet, um Kalzium vermehrt in die Knochen einzulagern. Allerdings beeinflusst Kalzitonin auch die Osteoklastentätigkeit und hemmt die Remodulierungsprozesse im Knochen. Zudem wird die Verfügbarkeit von Phosphor, Zink und Kupfer eingeschränkt. Die genannten Mechanismen rufen langfristig ebenfalls Knochenstörungen hervor.

 

In jüngster Zeit wird die Jodversorgung von Hunden und Katzen im Rahmen der Rohfütterung vermehrt kritisch hinterfragt. Allgemein ist bekannt, dass ein Jodmangel die Schilddrüsenfunktion beeinträchtigen kann. Allerdings wird aktuell auch verstärkt ein Zusammenhang zwischen der Entstehung einer Hyperthyreose und der Aufnahme zu hoher Jodmengen (Verfütterung von Schlundanteilen!) diskutiert. So untersuchten Köhler et al. (2012) insgesamt 12 Hunde mit erhöhten Thyroxinkonzentrationen im Plasma. Alle Hunde wurden vorberichtlich mit rohem Futter ernährt und zeigten zum Teil typische Symptome einer Hyperthyreose wie Unruhe, Gewichtsabnahme, Aggressivität oder Tachykardie. Ätiologisch wurde vermutet, dass durch die Fütterung von Schlundanteilen vermehrt exogene Schilddrüsenhormone aufgenommen wurden, die nicht durch die Magensäure zerstört und somit im Darm resorbiert wurden. Die erhöhten Konzentrationen an exogenem Thyroxin könnten dann die klinische Symptomatik hervorgerufen haben. Diese Theorie konnte in der Studie insofern untermauert werden, da die Hunde nach einem Futterwechsel, bei dem auf die Verfütterung von Schlund verzichtet wurde, keine klinischen Symptome einer Hyperthyreose mehr gezeigt haben und die Thyroxinkonzentrationen im Blut wieder im Referenzbereich lagen. Vor dem Hintergrund dieser Studie erscheint es sinnvoll, in der Praxis im Falle von erhöhten Schilddrüsenwerten bei Hunden und Katzen die Fütterung zu erfragen und gegebenenfalls zu korrigieren. Abschließend sei darauf hingewiesen, dass auch durch Fehlversorgungen mit anderen Mineralstoffen Probleme bei Hunden und Katzen auftreten können. So kann ein Zinkmangel beispielsweise Haut und Fellprobleme hervorrufen.

Infektionen

Durch die Verfütterung von rohem Fleisch besteht ein erhöhtes Infektionsrisiko, da Erreger nicht durch Kochen inaktiviert werden können. So sind bei Schlachtnebenprodukten von Wiederkäuern möglicherweise enthaltene Parasitenzwischenformen (Bandwurmfinnen) für den Hund bzw. die Katze gefährlich. Die Parasitenzwischenformen lassen sich durch Kochen oder Lagerung bei minus 18 -20 °C über mindestens 24 Stunden inaktivieren. Mausende Hunde können den für den Menschen gefährlichen Fuchsbandwurm aufnehmen und die Eier ausscheiden (Gefahr der alveolären Echinokokkose beim Menschen). Bei der Katze ist hingegen die Entwicklung von E. multilocularis gehemmt, und es werden nur vereinzelt Eier ausgeschieden. Neben einer Belastung mit Parasiten kann auch eine bakterielle Kontamination des rohen Fleisches zu Problemen bei Hunden und Katzen sowie z. T. auch bei im selben Haushalt lebenden Menschen führen. So kann beispielsweise eine Infektion mit Salmonellen eine Gefahr darstellen. Zwar scheint der Hund eine Aufnahme von Salmonellen mit dem Futter recht gut zu tolerieren, jedoch birgt die Ausscheidung der Bakterien insbesondere für im Haushalt lebende Kinder und ältere Personen ein gewisses Risiko. Darüber hinaus kann auch der Hund Symptome einer Infektion (v. a. Durchfall) entwickeln. Hierbei spielen verschiedene Faktoren, wie die Menge der aufgenommenen Salmonellen, die Salmonellenart und nicht zuletzt der Immunstatus des Hundes eine entscheidende Rolle.

Schließlich sei auf das Risiko einer Infektion mit dem Aujeszky-Virus durch die Verfütterung von rohem Schweinefleisch hingewiesen. Werden Hunde oder Katzen mit dem Virus infiziert, endet diese Infektion für die Tiere stets tödlich. Obgleich Deutschland seit 2003 offiziell frei von der Aujeszkyschen Krankheit bei Hausschweinen ist, sollte berücksichtigt werden, dass Schweinefleisch auch aus Ländern importiert werden kann, die nicht frei von dieser Krankheit sind. Zudem finden sich auch in Deutschland Berichte, dass Antikörper der Aujeszkyschen Krankheit bei Wildschweinen nachgewiesen wurden. Aus den genannten Gründen sollte von einer Verfütterung von rohem Schweine- und Wildschweinefleisch an Hunde und Katzen abgesehen werden.

Fehlgärungen/Fehlbesiedlungen des Darms

Häufig kommt es bei einseitiger Ernährung von Hunden und Katzen mit Fleisch oder Schlachtabfällen zu Störungen der mikrobiellen Besiedlung des Darms und infolge dessen zu Fehlgärungen im Dünn- oder Dickdarm. Hintergrund ist, dass eine zu hohe Eiweißzufuhr oder eine vermehrte Aufnahme von schwer verdaulichem Eiweiß (bindegewebsreiche Futtermittel) dazu führen, dass das Eiweiß nicht ausreichend im Dünndarm verdaut wird und somit größere Mengen an unverdautem Eiweiß in den Dickdarm gelangen (Abb. 7). Dort führt dieser Nährstoffeinstrom zu einer einseitigen Förderung bestimmter eiweißverwertender Bakterien und somit insgesamt zu Verschiebungen in der Zusammensetzung der intestinalen Mikrobiota. Als Folge können die Tiere Flatulenz oder Durchfall entwickeln. Vor dem geschilderten Hintergrund sollten eine einseitige Fleischfütterung oder die Verfütterung zu großer Mengen an bindegewebsreichen Schlachtabfällen bei Hunden und Katzen vermieden werden.

 

Fallbeispiele 

Fallbeispiel 1

Eine Hundebesitzerin wünschte eine Rationsüberpüfung für ihre beiden Französischen Bulldoggen. Hierbei handelte es sich um eine ausgewachsene Hündin (3 Jahre, 14 kg Körpergewicht) sowie um einen sich noch im Wachstum befindlichen Rüden (9 Monate, 10 kg Körpergewicht, Endgewicht ca. 14 kg). Die bisherige Fütterung der beiden Hunde ist in Tab. 8 wiedergegeben.

Bei Betrachtung der bisherigen Fütterung sind folgende Aspekte auffällig:

  • Es erfolgte keine separate Fütterung der beiden Hunde. Dadurch wurde der im Vergleich zu einem adulten Hund unterschiedliche Bedarf des Jung hundes nicht berücksichtigt.
  • Insgesamt handelte es sich um eine sehr eiweißreiche Ration, da überwiegend Fleisch gefüttert wurde. Dies könnte unter Umständen zu Verdauungsproblemen bei den Hunden führen.
  • Die Mineralstoffversorgung erscheint unzureichend.

 

Tab. 8: Fallbeispiel 1: Die Hundebesitzerin setzte vor der Ernährungsberatung folgende Futtermittel ein (Mengenangabe für beide Hunde, wobei keine separate Fütterung erfolgt ist).

 (*Die Fälle wurden im Rahmen der „Beratung zur Ernährung von Haus- und Nutztieren“ des Instituts für Tierernäh rung der Freien Universität Berlin erhoben. Es werden keine Daten zum Patientenbesitzer angegeben.)

 

Entsprechend wurde der Besitzerin geraten, die Hunde möglichst bis zum Ende des Wachstums getrennt voneinander zu füttern. Das Körpergewicht des Junghundes sollte regelmäßig kontrolliert werden, um die Ration gegebenenfalls anpassen zu können. Weiterhin wurde eine konstante Vitamin- und Mineralstoffzufuhr empfohlen. In den Tabellen 9 und 10 finden sich die Rationen, die für die beiden Hunde berechnet wurden. Bei Betrachtung der Futtermengen für den Junghund wird deutlich, dass in Abhängigkeit vom Alter insbesondere ein unterschiedlicher Energie- sowie Eiweiß- und Kalziumbedarf besteht.

Tab. 9: Fallbeispiel 1: Futterration für eine ausgewachsene Französische Bulldogge (♀, 3 Jahre, 14 kg Körpergewicht)*

 

Tab. 10: Fallbeispiel 1: Futterration für eine wachsende Französische Bulldogge mit einem Endgewicht von 14 kg Körpermasse (KM)* 

*Die Gesamtfuttermenge sollte auf mehrere Mahlzeiten pro Tag aufgeteilt werden.

 

Fallbeispiel 2

Vorgestellt wurde eine Britisch Kurzhaarkatze, 5 Jahre, 4 kg Körpergewicht. Die Besitzerin wünschte eine Ernährungsempfehlung, wobei eine 50 %ige oder auch 100 %ige Rohfütterung erfolgen sollte. Bislang wurden täglich, verteilt auf drei Mahlzeiten, ca. 100 g eines Nassund ca. 15–20 g eines Trockenfutters von der Firma Vet-Concept gefüttert. Die Besitzerin ersetzte zwei Mahlzeiten in der Woche durch Rohfleisch (bzw. reduzierte an diesen Tagen die Nass- und Trockenfuttermengen). Eingesetzt wurde reines Muskelfleisch vom Lamm, Rind, Hähnchen oder von der Pute.

Dem Wunsch der Katzenbesitzerin entsprechend, wurden eine Ration, die zu 100 % bzw. zu 50 % aus selbst zusammengestellten Futtermitteln bestand, berechnet. Im letzteren Fall erfolgte eine Kombination mit einem kommerziellen Produkt von der Firma Vet-Concept (Tabellen 11 und 12). 

Tab. 11: Fallbeispiel 2: Ration für eine Katze mit einem Körpergewicht von 4 kg.

 

Tab. 12: Fallbeispiel 2: Ration für eine Katze mit einem Körpergewicht von 4 kg, wobei die Ration zu 50 % aus einem kommerziellen Katzenfutter besteht.

  

Literatur

Benno, Y., Nakao, H., Uchida, K., Mitsuoka, T. (1992). Impact of the advances in age on the gastrointestinal microflora of beagle dogs. J Vet Med Sci 54, 703-706.
Köhler, B., Stengel, C., Neiger, R. (2012). Dietary hyperthyroidism in dogs. J Small Anim Pract 53, 182-184.
Meyer, H., Kienzle, E., Zentek, J. (1993). Body size and relative weights of gastrointestinal tract and liver in dogs. J Vet Nutr 2, 31-35.
Meyer, H., Zentek, J., Habernoll, H., Maskel, I. (1999). Digestibility and compatibility of mixed diets and faecal consistency in different breeds of dogs. J Vet Med A 46, 155-165.
Meyer, H., Zentek, J. (2010). Ernährung des Hundes. Grundlagen – Fütterung – Diätetik. Parey Verlag, Stuttgart.
Opitz, B. (1996). Untersuchungen zur Energiebewertung von Futtermitteln für Hund und Katze. Diss Med Vet, München
Zentek, J. (2012). Hunde richtig füttern. Eugen Ulmer GmbH & Co., Stuttgart (Hohenheim).

 

Kategorie⇨ Innere Medizin
SpeziesHund, Katze
Hauptautor(en)Redaktion schaefermueller publ.
Redaktionelle BearbeitungRedaktion schaefermueller publ.; siteadmin
Zuletzt bearbeitet2019-11-05 13:30:05 von siteadmin
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