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Acetylsalicylsäure(f)
Synonym
Beispiel
Querverweis
DefinitionAcetylsalicylsäure (ASS) ist ein antipyretisch und antiphlogistisch wirkendes Analgetikum, das auch die Thrombozytenaggregation hemmt.
Details

Acetylsalicylsäure

 

Allgemeines

Acetylsalicylsäure (ASS) ist ein antipyretisch und antiphlogistisch wirkendes Analgetikum. ASS wird u. a. auch in der Primär- und Sekundärprophylaxe des Herzinfarkts eingesetzt, da es die Thrombozytenaggregation hemmt. Die Wirkung der Acetylsalicylsäure wird durch eine irreversible Hemmung der Zyklooxygenase vermittelt. Die Umwandlung von Arachidonsäure in Prostaglandine, die die Schmerzschwelle herabsetzen, wird so verhindert. Da die Thrombozytenzyklooxygenase nicht regeneriert werden kann, dauert die Einschränkung der Thrombozytenfunktion eine Lebenszeit lang (ca. zehn Tage), wogegen die analgetische Wirkung durch Neubildung von Zyklooxygenase nach etwa vier Stunden nachlässt. Nicht acetylierte Salicylate haben einen schwächeren und reversiblen Effekt auf die Thrombozyten. Während die analgetischen und antiphlogistischen Wirkungen peripher vermittelt werden, ist die Antipyrese durch Angriff am hypothalamischen Temperaturzentrum zu erklären. Der analgetische Effekt wird mit Dosen von 2 g/Tag erreicht. Eine ­antirheumatische Therapie hingegen erfordert Tagesdosen bis zu 4 g. In niedrigen Mengen (1–2 g/Tag) wird die Harnsäureausscheidung reduziert und in hohen Mengen (> 5 g/Tag) gefördert. Da gravierende Nebenwirkungen schon ab 3 g/Tag auftreten, ist es als Urikosurikum ungeeignet.

Zubereitung 

Acetylsalicylsäure liegt in verschiedenen Darreichungsformen vor: neben Tabletten sind auch Suppositorien, Brausetabletten, magensaftresistente Kapseln sowie eine Zubereitung für die intravenöse Verabreichung erhältlich. Für den kurzzeitigen Einsatz bei akuten Schmerzzuständen liegen Tabletten zu 100 mg, 300 mg, 500 mg und 600 mg vor, während den mikroverkapselten Formen eher in der Langzeittherapie der Vorzug zu geben ist, da sie schonender auf den Magen-Darm-Trakt wirken, weil die direkte Schleimhautreizung entfällt. Weiter existieren Zäpfchen zu 250 mg. Es gibt viele Kombinationspräparate, in denen Acetylsalicylsäure zusammen mit Paracetamol, Vitamin C und Coffein enthalten ist.

 

Normaldosierung

Je nach Stärke der Schmerzen und individueller Response des Patienten können bei Behandlungen in der  Humanmedizin alle 4–6 Stunden 300–1000 mg peroral eingenommen werden. Ab 3 g/Tag ist jedoch mit dem Auftreten von Nebenwirkungen zu rechnen.

Bei urämischen Patienten ist die Plasmaeiweißbindung verringert. Hierdurch werden schneller toxische Plasmaspiegel von Salicylsäure erreicht.

Arzneimittelaufnahme und –ausscheidung

Acetylsalicylsäure wird nach oraler Aufnahme in Tablettenform rasch und vollständig im Magen und Dünndarm resorbiert. Brausetabletten gelangen am schnellsten in die systemische Zirkulation. Magensaftresistente Zubereitungen werden verzögert und nicht vollständig aufgenommen. Die rektale Applikation als Suppositorium ist am unzuverlässigsten hinsichtlich des Grades der Resorption. Acetylsalicylsäure unterliegt einem First-pass-Effekt. Durch präsystemische Hydrolyse wird Salicylsäure gebildet, weshalb die Bioverfügbarkeit von Acetylsalicylsäure nur ca. 70 % erreicht (Salicylsäure 80–100 %).

Der Wirkungseintritt erfolgt nach 30 min. Mit Plasmakonzentrationen von Salicylsäure zwischen 20 g/ml und 100 mg/ml werden antipyretische und analgetische Effekte erreicht. Zur antiphlogistischen bzw. antirheumatischen Therapie sind Plasmakonzentrationen von 150–300 mg/ml erforderlich.

Metabolismus/Exkretion. Nach Abspaltung der Acetylgruppe durch Plasma- und Gewebecholinesterasen wird die Salicylsäure zum Teil in der Leber konjugiert und renal eliminiert. Der Anteil unverändert ausgeschiedener Salicylsäure ist pH-abhängig: Bei saurem pH erscheinen lediglich 5 % und bei alkalischem Milieu 85 % unveränderte Salicylsäure im Urin.

Die Eliminationshalbwertszeit (t1/2) von Acetylsalicylsäure wird mit 15–20 min angegeben. Salicylsäure unterliegt hingegen einer Sättigungskinetik mit einer dosisabhängigen Kumulation. So beträgt die Halbwertszeit von Salicylsäure nach 300 mg ca. drei Stunden, nach 1 g ungefähr 5–6 Stunden und nach

10 g ca. 20 Stunden.

 

Nebenwirkungen

Die wichtigsten unerwünschten Wirkungen der Acetylsalicylsäure und auch der anderen nicht steroidalen Antirheumatika sind eine Folge der Zyklooxygenasehemmung. Im Magen wird die Bildung von schleimhautprotektiven Prostaglandinen verhindert. Es kann zu Oberbauchbeschwerden, Blutungen und Ulzerationen kommen. Die Hemmung vasodilatierender Prostaglandine in der Niere kann bei chronischer Therapie in hohen Dosen oder bei vorbestehenden Erkrankungen (Niereninsuffizienz, Hypovolämie) oder gleichzeitiger Gabe verschiedener Medikamente (z. B. Schleifendiuretika) zu einer Nierenfunktionseinschränkung führen (Analgetikanephropathie). Nach Gabe von ASS kann die Leukotrienbildung mit der Folge einer pseudoallergischen Reaktion (z. B. Rhinitis, Angioödem, Asthmaanfall) begünstigt sein.

Echte Allergien sind sehr selten. Die bisher genannten unerwünschten Nebenwirkungen treten meist bei häufiger Einnahme und bei Gabe hoher Dosen auf. Die Blutungszeit wird jedoch schon nach einmaliger Gabe von 500 mg Acetylsalicylsäure verlängert. Zentralnervöse Erscheinungen wie Schwindel, Ohrensausen, Schwerhörigkeit und Kopfschmerzen sind als Intoxikationszeichen zu werten. Bei hohen Dosen stimuliert Acetylsalicylsäure das Atem­zentrum und führt zu einer respiratorischen Alkalose. Es kann über Bewusstseinsverlust, Dyspnoe zum Tod durch eine zentrale Atemlähmung kommen. Die Therapie einer Intoxikation wird mit der forcierten Giftelimination eingeleitet, die Ausscheidung der Salicylsäure wird durch Harnalkalisierung beschleunigt.

 

Arzneimittelwechselwirkungen

In Kombination mit gerinnungshemmenden Präparaten wie oralen Antikoagulantien und Heparin kann das Blutungsrisiko erhöht sein. Die gleichzei­tige Einnahme von Steroiden oder nicht steroidalen Antirheumatika kann die unerwünschten Nebenwirkungen im Bereich des Gas- trointestinaltrakts und der Nieren verstärken. Orale Antidiabetika werden von Acetylsalicylsäure aus ihrer Plasmaeiweißbindung verdrängt und in ihrer Wirkung verstärkt. Durch Senkung der renalen Clearance von Methotrexat wird die Toxizität dieses zytostatisch wirkenden Antimetaboliten erhöht. Der Effekt von Furosemid, Spironolacton und Urikosurika sowie der antihypertensive Effekt von Propranolol, Thiazid-Diuretika und ACE-Hemmern ist vermindert.

Acetylsalicylsäure passiert die Placenta und gelangt in die Muttermilch in therapeutisch wirksamen Dosen. Ein vorzeitiger Verschluss des Ductus arteriosus Botalli ist beim Menschen beschrieben.

 

Besondere Informationen

Um gastrointestinale Nebenwirkungen zu reduzieren, sollte das Medikament mit den Mahlzeiten und reichlich Flüssigkeit verabreicht werden.

Bei Patienten mit floriden Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüren oder erhöhtem Blutungsrisiko ist ASS kontraindiziert. Relative Kontraindikationen sind: gleichzeitige Antikoagulantien-Gabe, Nierenerkrankungen, chronisch rezidivierende gastrointestinale Ulkuserkrankungen, Asthma bronchiale oder allergische Diathesen bzw. Überempfindlichkeit gegen Salicylate. Eine weitere relative Kontraindikation stellt der Glukose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel dar. Aspirin muss dosisabhängig bis zu sieben Tage vor dem geplanten operativen Eingriff abgesetzt werden.

Kategorie⇨ Pharmakologie
Hauptautor(en)Redaktion schaefermueller publ.
Redaktionelle BearbeitungRedaktion schaefermueller publ.
Zuletzt bearbeitet2019-09-12 17:51:50 von Redaktion schaefermueller publ.
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